Liebfrauenkirche

Seit der Stadterhebung im Jahre 1222 wuchs die Bevölkerung derart an, daß eine Kirchengründung im Stadtteil "Schoneriberg" erforderlich wurde. Grundlage bildeten Schenkungen der Familien Thilemann van Essincholte und des Rates von 1310. Den Kirchbau nahm man bald darauf in Angriff, doch kam es nicht zur Pfarrerhebung.

Im 15. Jahrhundert bezeichnete man die Liebfrauenkirche als die "Neue Kapelle". Zur Rekatholisierung ließen sich 1626 Minoriten in Bocholt nieder, denen man die Liebfrauenkirche überließ. Die Niederlassung wurde 1811 aufgehoben. Dem Klosterbau aus dem Jahr 1669 folgte 1786 ein Kirchenneubau. Die mittelalterliche Kirche wurde 1792 abgebrochen. Mit der Erhebung zu einem seelsorglich selbständigen Pfarrektorat wurde 1893 der Bereich von St. Georg abgetrennt. Die Pfarrerhebung erfolgte 1901. Abgepfarrt wurde Bocholt Herz Jesu (1960). Zu den im 14. Jhd. gegründeten beiden Frauenklöstern Weißes und Schwarzes Kloster kam Mitte des 15. Jahrhunderts das Schwesternhaus Marienberg am Schonenberg nach der Augustinerregel hinzu, das 1803 aufgehoben wurde. Die Kapelle diente seit 1902 als Krankenhaus- und Gymnasialkapelle. Seit dem Neubau des Krankenhauses steht sie der Kroatenseelsorge zur Verfügung.

Infolge starker Siedlungstätigkeit im Stadtteil Stenern wurde 1971 in der Liebfrauenschule regelmäßiger Sonntagsgottesdienst eingerichtet. Unter dem Patrozinium St. Martin wurde 1977 mit dem Bau eines Kirchenzentrums ein Filialbezirk seelsorglich umschrieben.

Die Liebfrauenkirche wurde in den Jahren 2007 - 2009 aufwendig renoviert und erstrahlt seitdem wieder in neuem Glanz: Berichte zur Renovierung


Literatur:

BKW Bocholt, S.75-87. Klosterbuch I, S.88-101. Dehio, Westfalen, S.60. Friedrich Reigers: Geschichtliche Nachrichten über die Kirche Unserer Lieben Frau und das Minoritenkloster in Bocholt 1310-1811, Bocholt 1885. Joseph Herbst: Zum Wiederaufbau von Liebfrauen, in: Unser Bocholt, 1951, S. 9-11. Elisabeth Bröker: Drei Frauenklöster im alten Bocholt, in: Unser Bocholt, 1955, Heft 2, S. 15-36. Franz Bill: Aus dem Wirken der Minoriten-Conventualen in Bocholt, in: Unser Bocholt, 1962, Heft 3, S. 20-22. Wilhelm Kohl: Die Schwesternhäuser nach der Augustinerregel (= Germania Sacra NF 3,1), Berlin 1968, S. 130-156 (Marienberg). Elisabeth Bröker: Die Liebfrauenkirche in Bocholt, in: Unser Bocholt, 1969, Heft 4, S.19. Edgar Jetter: Der Barockaltar in der Liebfrauenkirche, ebd.,S. 17-22. Wilhelm Kohl: Das Schwesternhaus Marienberg am Schonenberg, in Bocholter Quellen und Beiträge, Bd. 1, S. 80-87. Elisabeth Bröker: Kirchenführer Liebfrauenkirche Bocholt (Kunstführer Nr. 1329), München 1982. Werner Schneider: Memorienbuch Liebfrauenkirche Bocholt, Bocholt 1986. Josef van Gemmeren: Das neue Gemeindezentrum St. Martin in Stenern, in: Unser Bocholt,1978 Heft 4, S. 28-29
Periodika:
"Liebfrauen-Blättchen",wöchentlich. Pfarrbrief zu Weihnachten und Ostern. Bocholter Kirchenkalender, jährlich bis 1996; Ab 1997 jährliche Beilage zur Tageszeitung "BBV" gemeinsam mit allen evgl. und kath. Gemeinden: "Kirche färbt ab"; Ab 2008 wöchentliche Pfarrnachrichten "miteinander"

Pfarre im Pfarrverband Bocholt-Ost mit 7098 Pfarrgemeindemitgliedern in Liebfrauen und in St. Martin. Stadtzentrum und angrenzender innerstädtischer Verflechtungsbereich mit teilw. geschlossener Bebauung, Kleinsiedlungen mit Reihen-und Einfamielienhäusern, ländliches Umland; Handel Dienstleistungen, klein-und mittelständische Industriebetriebe, Landwirtschaft.

Kirchen, Kapellen, kirchl. Gedenkstätten:
Pfarrkirche Liebfrauen, 550 Sitzplätze, 1782-1792, barock, Erweiterung an der nordfassade um Saal mit Chor und Turm 1912-1913, neubarock, W. Sunder-Plaßmann, Münster, nach Kriegszerstörung Wiederaufbau 1945-1955.




Das Bild oben zeigt den Wiederaufbau der Liebfrauenkriche in einer Aufnahme aus dem Jahre 1951. Der Dachreiter der heutigen Werktagskirche ist eingerüstet.
Das Bild unten zeigt den gleichen Bauabschnitt aus anderer Perspektive, es ist vom Turm her aufgenommen worden.

 
Wandpfeilerbau mit Korbbogendecke und Satteldächern, eingezogener, abgestufter Chor im Norden mit Renaissancegiebel, gestaffelter Turm im Nordwesten mit geschweiftem Helm, schiefergedeckt, ehemalige Minoritenkirche als südl. Querhaus, Dachreiter über dem 1. Chorjoch des früheren Kirchenbaus, heute Werktagskapelle; rotes Ziegelmauerwerk mit Sandsteinsockel, Schwarze Dachziegeldeckung.
Orgeln:
Hauptorgel:
Johannes Klais, Bonn (1979)
Disposition der Orgel:
I. Oberwerk:
Holzgedackt 8´
Gamba 8´
Unda maris 8´
Principal 4´
Traversflöte 4´
Waldflöte 2´
Larigot 1 1/3´
Sesquialter 2f 2 2/3´
Scharff 4f 2/3´
Basson Hautbois 16´
Cromorne Trompete 8´
 
II. Hauptwerk:
Quintade 16´
Principal 8´
Holzflöte 8´
Gemshorn 8´
Octave 4´
Koppelflöte 4´
Quinte2 2/3´
Superoctave 2´
Cornet 5f 8´
Mixtur 4f 1 1/3´
Trompete 8´
Trompete 4´
III. Brustwerk:
Rohrflöte 8´
Blockflöte 4´
Nasard 2 2/3´
Principal 2´
Terz 1 3/5´
Sifflet 1´
Vox humana 8´
 
 
 
Pedal:
Principal 16´
Subbaß 16´
Octave 8´
Spielflöte 8´
Tenoroctave 4´
Rauschpfeife 4f 2 2/3´
Posaune 16´
Holztrompete 8´
 
 
 
 
Spielhilfen:
6 Koppeln, 2 Tremulanten, 6-fache mechanische Setzerkomination,
mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur

Orgel in der Sakramentskapelle:
6 Reg., mechanische Trakturen, Schleifenteilung, F. Breil, Dorsten, (1965)

4 Glocken:
cis, 149cm, Bronze, 1964, Petit und Edelbrock, Gescher
e, 127 cm, 1749, unbekannt
fis, 110cm,Bronze, Petit und Edelbrock, Gescher
a, 91 cm, Bronze, 1950, Petit und Edelbrock, Gescher
 

Video mit freundlicher Genehmigung von Christoph Maria Hünting