kfd-Besinnungstage in Unkel am Rhein
So lautete eine Einladung der kfd Liebfrauen.Eine Woche "Auszeit" mit Gesprächen, Spaziergängen, die Seele baumeln lassen, Zeit der Besinnung, des Gebets und der inneren Einkehr. Dreizehn Frauen folgten der Einladung und machten sich mit der Pastoralreferentin Ute Gertz auf den Weg.
Thema der Woche war das Leben und Wirken von Madeleine Delbrêl, die als "Mystikerin des Alltags" beschrieben wird. In Kleingruppenarbeit, als auch einzeln setzten wir uns mit unterschiedlichen Impulsfragen auseinander: "Widrigkeit als Chance", "Gott einen Ort sichern", "Suchend gefunden werden", "Zeitstaub und Tiefenbohrung mit und für Gott" um nur einige zu nennen.
Die Tage begannen vor dem Frühstück mit einem Morgenlob am Ufer des Rheins und endeten mit einem Wortgottesdienst am Abend. Zum Ausklang des Tages war Gelegenheit sich im gemütlichen Turmzimmer bei einem Gläschen Wein über Gott und die Welt zu unterhalten.
Zur großen Freude aller, begleitete Beate Uebbing unseren Gesang mit ihrem bereichernden
Gitarrenspiel. Danke Beate!
Herzlichen Dank auch an Ute, die es verstand durch ihr Wissen und ihre Empathie die Gruppe zu begeistern.
Die Theologin Dr. Annette Schleinzer beschreibt Madelaine Delbrêl folgendermaßen:
Madeleine Delbrêl zählt zu den interessantesten katholischen Mystikerinnen des vergangenen Jahrhunderts. Sie suchte und fand Gott mitten im Alltag eines lauten Pariser Vorortes. Wer ist diese Frau, die damit ernst machte, Gott in allen Dingen zu finden? Poetin – Sozialarbeiterin – Mystikerin: Das sind nur drei der zahlreichen Attribute, die Madeleine Delbrêl kennzeichnen. Sie gilt nicht nur als Vorläuferin des Zweiten Vatikanischen Konzils, sondern auch als "Prophetin der Nachkonzilszeit". 1904 wurde sie in Mussidan im Südwesten Frankreichs geboren. In ihrer Jugend war sie eine überzeugte Atheistin. "Gott ist tot", schrieb sie mit 17 Jahren. Doch eine tiefe Lebenskrise und die Begegnung mit jungen Christinnen leiteten die Wende ein: "Ich habe geglaubt, dass Gott mich gefunden hat." – So beschreibt sie, was sie zeitlebens als Übergang vom Tod zum Leben erfahren hat. Im Evangelium hat sie eine Form dafür gefunden, aus diesem "unerhörten Glück" zu leben und es an andere weiterzugeben. Sie war davon überzeugt, dass dies die Berufung aller Christinnen sei. Alle seien, schreibt Madeleine Delbrêl, wie eine Batterie "mit Gott geladen".
Als sie am 13. Oktober 1964 ganz plötzlich an einem Schlaganfall starb, hinterließ sie trotz alledem nicht viel: ein Buch und zahlreiche unveröffentlichte Texte und Manuskripte; einen Freundeskreis, der kaum weiterreichte als über die Grenzen einer kirchlichen Minderheit in Frankreich hinaus. Doch 60 Jahre nach ihrem Tod ist sie für viele Menschen aus allen Kontinenten längst zu einer Gefährtin geworden, die sie ermutigt, den Glauben unter den Bedingungen der heutigen Zeit zu leben.
Bärbel Biermann
