Impuls am Abend - Lösung des Logik-Rätsels

Die Frage, die ich einem der Wächter stellen muss, um zu erfahren, welche Tür in die Freiheit führt, lautet etwa so: „Wenn jetzt Dein Kollege hier wäre und ich ihn fragen würde, welche Tür in die Freiheit führt, was würde er antworten?“
Egal, welchen Wärter ich frage, die Antwort ist immer falsch und damit die Lösung klar.
Der Clou besteht darin, beide Wärter in die Frage (und damit auch in die Antwort) einzubeziehen. Allgemein gesagt, bedeutet das, Gegensätze und Unterschiede zusammen zu denken und stehen zu lassen. Die Wirklichkeit ist nicht immer eindeutig und Geheimnisse nicht einfach aufzulösen. Das fordert uns heraus, aber damit müssen wir leben und glauben.

Einige Beispiele:
Wir bekennen Gott als Einen und Dreifaltigen.
Der Mensch ist zugleich gerecht und sündig.
Maria nennen wir Mutter und Jungfrau.
Wir sind in der Welt und nicht von der Welt.
Wie kommen das Kamel und das Nadelöhr zusammen?
Die Kirche ist heilig und sündig.
Alles hängt von Gott ab und alles hängt von uns ab.
Gottes Wille und unsere Freiheit.
Bei sexueller Gewalt: Schuld der Täter und der Institution sind unterschieden, dürfen aber nicht getrennt werden…

In der Kirchengeschichte gibt es viele Beispiele, dass eine Lehre zunächst als falsch verworfen wurde und später anerkannt worden ist und umgekehrt.

Im Umgang mit dieser Herausforderung können wir vom Judentum lernen, wie die folgende Geschichte zeigt, die ich aus dem Gedächtnis erzähle:
Einige Juden diskutieren. Der eine sagt: „Es gibt einen Gott“. Der Rabbi antwortet: “Du hast recht“. Ein anderer widerspricht: „Es gibt keinen Gott“. Der Rabbi antwortet: „Du hast auch recht“. Ein dritter wendet ein: „Das geht doch nicht, dass beide recht haben“. Darauf antwortet der Rabbi: „Auch Du hast recht“.

Eine solche Haltung führt nicht zur Beliebigkeit, sondern verpflichtet zur Diskussion über die verschiedenen Auffassungen. Ein fester Standpunkt macht dabei unbeweglich.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie für die Rätsel und Geheimnisse Ihres Lebens gute Lösungen finden.

Ihr
Hans Döink
Veröffentlicht: 01.06.2021




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