Impuls am Abend - Ich bleibe (1)

Die Schriftstellerin Birthe Mühlhoff, geb. 1991, hat Philosophie und Kunstgeschichte in Hamburg und Paris studiert. In der Osterausgabe der Süddeutschen Zeitung (3./4./5. April 2021) hat sie im Feuilleton einen Beitrag veröffentlicht mit dem Titel „Ich bleibe. Sieben Gründe, warum ich die katholische Kirche auch jetzt nicht verlasse.“

Sie schreibt, dass es derzeit unzählige Gründe gibt, die Kirche zu verlassen und nennt die Skandale, die unverständliche Sprache und die Tatsache, dass viele gar nicht mehr wissen, warum sie überhaupt noch in der Kirche waren. Aber auch überzeugte und engagierte Christinnen wenden sich aus Protest ab.

Birthe Mühlhoff nennt sieben Gründe, die sie zum Bleiben veranlassen.

Ich finde es interessant und hilfreich, in dem Chor der vielen, die sagen: „Ich gehe“ zu hören: „Ich bleibe“. Eine solche persönliche Stellungname sollten wir hören und bedenken.

Ich möchte in den kommenden Wochen in verschiedenen Impulsen jeweils einen Grund aufführen und kurz kommentieren. Hier und heute der erste Grund:

Als ersten Grund nennt Birthe Mühlhoff, dass sie als Mitglied der katholischen Kirche in dem Bewusstsein lebt, dass in jedem Augenblick irgendwo auf der Welt jemand das gleiche Gebet spricht wie sie und es einen Ort gibt, wo sie willkommen wäre.

Bei den vielen globalen Herausforderungen und der Bedeutung der Völkerverständigung will sie sich nicht auf supranationale Organisationen, wie die Nato, verlassen.

Für die Verfasserin ist eine weltweite Verbindung im Gebet und die Möglichkeit, überall auf der Erde als Gast willkommen zu sein, ein hoher Wert, der durch die weltumspannende Kirche ermöglicht wird. Von Anfang an ist die Kirche ja weltweit verbreitet und bildet eine geistige Gemeinschaft, die nicht von wirtschaftlichen oder militärischen Motiven bestimmt wird.

Während meines Studiums in Rom und auch später mit Pilgergruppen konnte ich erleben, wie Menschen beglückt waren, wenn sie etwa auf dem Petersplatz zusammen mit mehreren zehntausend Menschen aus aller Welt das lateinische Credo gesungen haben – auch wenn sie nicht allen Inhalten zustimmten. Erfahrungen von Gemeinschaft sind unbedingt nötig, wenn ein Mensch seiner Überzeugung treu bleiben will. Allein kann keiner glauben.

Für mich persönlich ist es wichtig, eine solche Gemeinsamkeit im unmittelbaren Kontakt zu erleben. Wenn das auch global geht – umso besser.

Ein guter Grund zu bleiben.

In Dankbarkeit für die Gemeinsamkeit vor Ort grüße ich Sie,

Hans Döink
Veröffentlicht: 15.04.2021




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