Impuls am Abend - Erhört Gott unsere Gebete?

Die neue Übersetzung der Bibel von 2016 verdeutlicht und korrigiert einige Stellen der alten Einheitsübersetzung.
 
So wird in der Regel in den Psalmen nicht mehr gebetet „erhöre mich“, sondern „antworte mir“.
 
In Psalm 3,5 hieß es: Ich habe laut zum Herrn gerufen, da erhörte er mich.
Jetzt heißt es: Ich habe laut zum Herrn gerufen, da gab er mir Antwort.
In Psalm 4,2 hieß es: Wenn ich rufe, erhöre mich.
Jetzt heißt es: Wenn ich rufe, gib mir Antwort. Ähnlich ist es in Ps 86,1.7; 143,7.
Die Übersetzer begründen die Änderung damit, dass so die Bedeutung des entsprechenden hebräischen Wortes besser wiedergegeben werde.
 
Für mich ist das nicht nur eine sprachliche Verdeutlichung, sondern auch ein wichtiger inhaltlicher Beitrag zur Beantwortung der Frage, ob und wie Gott auf unser Beten reagiert.
 
Oft haben wir doch den Eindruck, dass Gott unsere Bitten nicht erhört. Wir bitten meistens sehr konkret und erwarten, dass Gott sie nicht nur hört, sondern auch erhört, indem er sie präzise erfüllt. Diese Erwartung ist Gott gegenüber unberechtigt und wird enttäuscht. Wenn wir statt Erhörung um Antwort bitten, nehmen wir uns selbst etwas zurück und setzen wir Gott – menschlich gesprochen – nicht so unter Druck, sondern überlassen es ihm, ob und wie er auf unser Rufen reagiert.
 
Ich glaube, dass Gott unsere Gebete hört, er sich aber vorbehält, auf seine Weise zu antworten. Diese Antwort ist vielleicht leise und verborgen und verlangt unseren Spürsinn und schmeckt uns nicht. Das kann unser Vertrauen darauf, dass Gott es gut mit uns meint, auf die Probe stellen.
 
Das wird bei der flehentlichen Bitte Jesu am Ölberg deutlich. Der Vater erfüllt das Gebet Jesu, der Kelch möge an ihm vorübergehen nicht. Er schickt aber einen Engel, der Jesus stärkt, seinen Weg weiter zu gehen.
 
Die folgenden Strophen des Liedes können uns helfen, uns in das Vertrauen auf Gottes gute Führung einzuüben:
„Wer nur den lieben Gott lässt walten
Und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.
 
Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt,
den verlässt er nicht.“
(Gotteslob 424, 1 u. 5)
Diesen neuen Segen des Himmels wünscht Ihnen

Hans Döink

 
Veröffentlicht: 11.01.2021




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