Impuls am Abend - In Jesu Fußstapfen

„Folgt mir nach!“ – So lautet immer wieder in den Evangelien der Ruf und die Einladung Jesu ihm zu folgen. Doch was meint das Wort Nachfolge? Hinter Jesus her laufen kann damit ja wohl kaum gemeint sein. 

In einem Jahreskalender habe ich dazu eine schöne Erzählung gelesen:
Margareta war, wie so oft, mit ihrer Arbeit im Haushalt vollauf beschäftigt, und ihr dreijähriger Sohn war immer in ihrer Nähe. Es war nicht ganz so einfach. Wohin sie auch ging, andauernd stolperte sie fast über ihn.
Sie schlug ihm ein paar Sachen vor, womit er sich beschäftigen könnte; Puzzle spielen, ein Bild malen und so weiter, aber nichts half. Ihr Sohn lächelte nur und sagte: „Macht nichts, Mama, ich möchte lieber mit dir zusammen sein.“ Er heftete sich an ihre Fersen, ganz egal, wohin sie ging. Aber als sie zum widerholten Mal fast über ihn drübergefallen wäre, verlor sie die Geduld.
„Warum gehst du mir auf Schritt und Tritt hinterher?“, fragte sie in einem etwas schärferen Ton, als sie eigentlich wollte. „Im Kindergottesdienst haben sie gesagt, dass wir in Jesu Fußstapfen treten sollen“, erklärte ihr Sohn. „Aber ich kann ihn nicht sehen. Und darum gehe ich stattdessen in deinen Fußstapfen.“ 

Den übertragenen Sinn des Bildwortes „in Jesu Fußstapfen treten“ kann ein dreijähriges Kind nicht erfassen. Aber was der kleine Junge macht ist aufschlussreich: Er geht in den Fußstapfen seiner Mutter. Sie ist für ihn eine wichtige Person, darum weiß er: Sie liebt ihn, sie schenkt ihm Geborgenheit, sie sorgt für ihn, sie ist bei ihm. Noch aufschlussreicher ist der Ausspruch des Jungen: „Mama, ich möchte lieber mit dir zusammen sein.“

Jesus nachfolgen, in Jesu Fußstapfen treten – so sagt es mir der Junge – meint: Mit Jesus zusammen sein. Eine Zeit bei und mit Jesus verbringen. Das kann geschehen in einem Moment der Stille, einer Gebetszeit, einem sich Erinnern an ein Wort oder eine Tat Jesu und so SEINE (Jesu) Spuren in dieser Welt entdecken. Mit Jesus zusammen sein Leben und diese Welt gestalten. Das meint Nachfolge. 

Das Interessante in dieser Erzählung ist der Umstand, dass der Junge, da er Jesus nicht sehen kann, als Ersatz seine Mutter nimmt. Sie ist ihm ein vertrauter Mensch, ein Vorbild. Inwieweit bin ich für andere ein Vorbild, das sie mir anhängen, um Jesus zu folgen, in SEINEN Fußstapfen zu treten? Oder anders: In wessen Fußstapfen trete ich, um so Jesus zu folgen?

Ihr
Rafael van Straelen


P.S. Die Erzählung stammt von Kristina Reftel und ist entnommen: Alles hat seine Zeit. Der Kalender für Frauen. Impulse, Gedanken, Anregungen für jeden Tag 2020 (Kalenderseite 21.Juni); Benno-Verlag
Veröffentlicht: 24.06.2020




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