Impuls am Abend - Krisen als Angebote des Lebens

In der vorletzten Woche sind die Mitglieder unseres Pfarreirates seit dem Lockdown zum ersten mal wieder zu einer Präsenz-Sitzung zusammen gekommen. Neben dem persönlichen Erleben der Corona-Krise wurde im Austausch auch das Leben in unserer Pfarrei in Blick genommen. Unter anderem ging es in dem Gespräch in Kleingruppen um die Fragen: 
Welche Gewohnheiten, gewonnen in Zeiten von Kontaktverbot, sollten wir in der Pfarrei über diese Zeit hinaus bewahren?
Welche Chancen birgt diese Zeit für uns als Pfarrei?

Auf die erste Frage wurde vielfach der Wunsch geäußert, den Gottesdienst im Livestream und den Impuls am Abend beizubehalten. 
Auf die zweite Frage wurde geäußert, eingefahrene Abläufe neu zu überdenken; alte Gewohnheiten zu beenden; sich von „Altem“ zu verabschieden und sich neu zu orientieren; die Chance zu nutzen „alte Zöpfe“ abzuschneiden; Kreativität und ein neues WIR-Gefühl zu entwickeln; Neustart und Neuorientierung in der Pfarrei und in den Gruppen; Online-Angebote auszubauen…

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Überlegungen schon das weitere Handeln gänzlich bestimmen können, denn noch ist die Corona-Pandemie nicht überwunden, noch sind wir in der Krise, auch wenn es sich bisweilen aufgrund der Lockerungen anders anfühlen mag. Aber das birgt auch Gefahren in sich.

Der Schriftstellerin Luise Rinser (1911-2002) wird folgendes Wort zugeschrieben: „Krisen sind Angebote des Lebens, sich zu wandeln. Man braucht noch gar nicht zu wissen, was neu werden soll. Man muss nur bereit und zuversichtlich sein.“ 

Krisen als Angebot des Lebens, sich zu wandeln. Jeder Mensch erlebt Krisen in seinem Leben, persönliche wie berufliche. Zur Zeit erleben wir eine weltweite Krise, die weder vor dem gesellschaftlichen noch politischen, weder vor dem persönlichen noch beruflichen Leben Halt macht. Sie beeinflusst (beeinträchtigt) das Leben in allen Bereichen. Auch das Leben der Kirche, der Gemeinschaft der Christen, ist betroffen. Schon lange werden Reformen in der katholischen Kirche angemahnt. Schon lange wird von einem Wandel in der Kirche gesprochen. – Bisweilen habe ich den Eindruck, dass diese Corona-Krise einiges an Wandel in unserem kirchlichen Leben beschleunigen wird, ob ich es will oder nicht. Mir gefällt dieses Wort von Luise Rinser: „Krisen sind Angebote des Lebens, sich zu wandeln. Man braucht noch gar nicht zu wissen, was neu werden soll. Man muss nur bereit und zuversichtlich sein.“

Das wünsche ich Ihnen, mir, uns allen: Den Blick, die Krise als Angebot des Lebens zu sehen, sich zu wandeln. Gelassenheit vor dem Hintergrund, noch nicht wissen zu müssen, was neu werden soll. (Wir fahren ja bekanntlich auf Sicht). Die Bereitschaft zum Wandel. Und: Die notwendige Zuversicht! Wie sagt Ingo Zamperoni am Ende der Tagesthemen: „Bleiben Sie zuversichtlich!“ – Dem schließe ich mich gerne an.

Ihr 
Rafael van Straelen
Veröffentlicht: 06.06.2020




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