Impuls zum Evangelium - 5. Ostersonntag - 10. Mai 2020

Das Evangelium
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott
und glaubt an mich!  
Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.“ 
Thomas sagte zu ihm: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“
Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“  
Philíppus sagte zu ihm: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.“ 
Jesus sagte zu ihm: „Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philíppus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!  
Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.“

Gedanken zum Evangelium

Das heutige Evangelium beginnt (wörtlich übersetzt) mit einer beruhigenden Aufforderung: „Euer Herz erschrecke nicht.“ Dahinter wird die verunsicherte Gemeinde spürbar, an die sich das Evangelium richtet. Zweifel, Missverstehen und Unverständnis haben sich angesichts eines erstarkten jüdischen Gegenübers breitgemacht. Da sollen die Ich-bin-Worte Orientierung geben, hier typisch johanneische Begriffe: Weg, Wahrheit und Leben.
Ich bin der Weg, ... Der Weg Jesu, wie ihn das Johannesevangelium zeigt, führt vom Vater in die Welt, die ihn aber nicht erkennt und großteils nicht aufnimmt – außer die an ihn Glaubenden (vgl. Joh 1,1–18). Nach einer Zeit der Offenbarung in dieser Welt ist für Jesus die Stunde gekommen, in der er verherrlicht (= am Kreuz erhöht) wird und wieder zum Vater zurückkehrt. Thomas wird bereits hier als kritischer Geist gezeigt. Er will über den Weg Jesu genau Bescheid wissen. Jesus verweist auf sich selbst als Weg. Es gibt keinen Weg zum Vater als jenen über Jesus. Bereits das Ich-bin-Wort von der Tür weist in dieselbe Richtung (Joh 10,7).
... die Wahrheit ... Dieser Begriff begegnet im Johannesevangelium gleich 29-mal! Jesus bezeichnet sich hier selbst als diese Wahrheit. Aber er ist nicht nur die Wahrheit schlechthin, sondern er verkündet sie auch (8,40); Johannes der Täufer legt Zeugnis für „die Wahrheit“ ab (5,33); der Beistand, den Jesus senden wird, ist der „Geist der Wahrheit“ (14,16f); die wahren Beter beten den Vater „im Geist und in der Wahrheit“ an (4,23); Pilatus stellt als Unverständiger und Ungläubiger die Frage: „Was ist Wahrheit?“ (18,38) Wer Jesus erkannt hat und an ihn glaubt, lebt in der Wahrheit und erkennt Jesus als die Wahrheit.
... und das Leben Das gesamte Johannesevangelium kreist um das Leben: Wer an Jesus als den Sohn des Vaters glaubt, hat bereits jetzt Anteil am (ewigen) Leben und an einem Leben in Fülle. Dabei wird Jesus als der Sohn zum „Spiegelbild“ des Vaters. Hierzu meldet sich abermals ein Jünger zu Wort, diesmal Philippus, immerhin einer von den Jüngern der ersten Stunde: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.“ Die Antwort Jesu könnte man als Enttäuschung oder als Resignation deuten, aber auch als werbende Geduld. Jesus wird nicht müde, seine Jünger zum Glauben (bei Johannes ein anderes Wort für Leben) zu bringen.
Verheißung und Aufgabe Den Abschluss bildet das Versprechen an die Glaubenden: Sie werden das Werk Jesu weiterführen – Voraussetzung allerdings ist der Glaube daran, dass Jesus die Offenbarung Gottes ist.

Lied: Gotteslob 456 „Herr du bist mein Leben“

1) Herr, du bist mein Leben, Herr, Du bist mein Weg.
Du bist meine Wahrheit, die mich leben lässt.
Du rufst mich beim Namen, sprichst zu mir Dein Wort,
und ich gehe Deinen Weg, so lange Du es willst.
Mit Dir hab ich keine Angst, gib Du mir die Hand
und ich bitte, bleib doch bei mir.
2) Jesus unser Bruder, Du bist unser Herr.
Ewig wie der Vater, doch auch Mensch wie wir.
Dein Weg führte durch den Tod in ein neues Leben.
Mit dem Vater und den Deinen bist Du nun vereint.
Einmal kommst Du wieder, das sagt uns Dein Wort,
um uns allen Dein Reich zu geben.
3) Du bist meine Freiheit, Du bist meine Kraft.
Du schenkst mir den Frieden, Du schenkst mir den Mut.
Nichts in diesem Leben trennt mich mehr von Dir,
denn ich weiß, dass Deine Hand mich immer führen wird.
Du nimmst alle Schuld von mir und verwirfst mich nie,
lässt mich immer ganz neu beginnen.
4) Vater unsres Lebens, wir vertrauen Dir.
Jesus, unser Retter, glauben wolln wir Dir.
Du Geist der Liebe, atme Du in uns.
Schenke Du die Einheit, die wir suchen in der Welt.
Und auf vielen Wegen führe uns ans Ziel,
mache uns zu Boten der Liebe,

Zurück zum Ursprung:
Der Weg zur Quelle führt bekanntlich gegen den Strom.
Nur tote Fische schwimmen mit der Strömung.
Wer zurück zum Ursprung will, muss gegen Widerstände ankämpfen,
darf sich nicht gehen oder treiben lassen.
Wer den Umkehrweg wählt und ihn auch geht,
wird Schritt für Schritt erfahren, wie mühsam und wie sinnvoll er ist.
Wer sich der radikalen Botschaft Jesu stellt, wird geläutert und gereinigt,
befreit und geheilt von der Quelle seines Heils.
Der von sich gesagt hat: Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, ich bin das Leben,
der führt zur Quelle des wahren Lebens.
(Text: Paul Weismantel)

Mit den Schrifttexten durch die Woche:
- Ich nehme mir diese Woche Zeit für Spaziergänge und nehme mir jeweils etwas mit, das ich am Weg finde (Stein, Blatt, ...). Abends notiere ich: Von welcher Beschaffenheit waren diese Wege? Wie bin ich sie gegangen? Was ist mir auf ihnen begegnet? Was verbinde ich mit dem mitgebrachten Gegenstand?
- Am Ende der Woche betrachte ich meine Fundstücke nochmals und denke darüber nach, welche Zeichen von Leben sie mir gezeigt haben. In welcher Beziehung steht die Aussage Jesu „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ dazu? Gibt es hier Verbindungen?


 
Veröffentlicht: 08.05.2020