Impuls am Abend

Jesus von der Holzbank

Liebe Gemeinde!

Das sprach mich an und faszinierte mich, der ich Sohn eines Schreiners bin. Bei meinem letzten Besuch im Handwerkermuseum hier in Bocholt entdeckte ich in der Tischlerei auf der Holzbank diesen Korpus (s. Bild). Er war dort ohne großes Nachdenken von irgendwem einfach abgelegt. Für mich ein sprechendes Bild: „Jesus von der Holzbank“ – so nenne ich dieses Bild. Es gibt in der christlichen Bildwelt ja viele solcher Bezeichnungen, vor allem bei Mariendarstellungen, z. B. Maria im Rosenhaag oder Maria im Ährenkleid. Warum nicht auch „Jesus von der Holzbank“.
Christus nicht am Kreuz, sondern auf einer Holzbank! Wie passend, wie sprechend: Jesus von Nazareth, Sohn des Zimmermanns Josef, war sehr wahrscheinlich selbst Zimmermann. (Irgendetwas muss er zwischen 14 und 30 Jahren beruflich ja getan haben!) Mit Holz konnte er umgehen. Balken konnte er wohl setzen. Und dann wurde er ans Kreuz, an einen Holzbalken, gehängt. – Das Kreuz, der Balken aus Holz von einem Baum. So wird das Kreuz auch als Baum des Lebens gesehen. 

Jesu von der Holzbank. Auf einer solchen Werkbank wird Holz bearbeitet, zugeschnitten, verleimt, geschliffen… - Auch dieser Korpus auf dem Bild wurde vermutlich an einer Werkbank geschnitzt. Jesus auf der Holzbank – Ort des Lebens, der Arbeit, des Todes, der Hoffnung. – Dieses Bild begleitet mich in diesem Jahr durch die Karwoche.

Rafael van Straelen
Pfarrer
Veröffentlicht: 07.04.2020