Impuls am Abend - Trump versus Franziskus

Ende letzter Woche konnte ich im Fernsehen die Auftritte oder besser Aktionen von zwei Persönlichkeiten miterleben: 
Zum einen sah ich den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, wie er groß inszeniert ein Sanitätsschiff der Marine auf See sendet, um den an Covid-19 erkrankten Menschen in New York zu helfen. Viele Menschen standen im Hafen Spalier und eine Menge von US-Flaggen boten dem Präsidenten die große Bühne. Dessen Worte zeugten von angeblicher eigener Stärke und Kraft, von Größe und Siegesgewissheit wie in Feldherrnmanier. Er sprach von seiner Ehre, in dem größten Hafen der mächtigsten Flotte mit den schönsten Schiffen sein zu dürfen; von dem Lazarettschiff USNS Comfort als einem unglaublichen Schiff, das mit den großartigen Operationssälen eine 70.000 Tonnen Botschaft an die Menschen in New York sei; von der amerikanischen Nation und seiner kolossalen Stärke, da sie die Nummer 1 unter den Testern sei; von seinem Stolz amerikanischer Präsident zu sein. – Immerhin: Mit dem Satz „Gott segne sie alle“ beendete er seine Rede.
Zum anderen habe ich am vergangenen Freitag das Abendgebet mit dem Segen Urbi & Orbi von Papst Franziskus am Bildschirm mitgefeiert. Der Papst ging - nur von einer Person begleitet - auf den menschenleeren Petersplatz die Stufen zum Podest hoch. Er ging langsam, körperlich eingeschränkt, aber auch bewusst den Weg. Der Petersplatz ganz leer, als Zeichen dafür, dass alle Menschen in Gedanken dort Platz finden. Vor dem Petersdom brennen einige Feuerschalen. Der Papst sprach andächtig, demütig von den Sorgen und Ängsten der Menschen, von dem Leid und der Ohnmacht, die viele erleben, vom Tod und von der Trauer der Angehörigen, die sich von ihren geliebten Verstorbenen nicht verabschieden können und empfiehlt all dies in einem Gebet Gott und seiner Barmherzigkeit. Der Sturm, den Jesus mit den Jüngern auf dem See erlebt (Markusevangelium 4, 35-41), überträgt er als Bild auf die aktuelle Situation der Corona-Pandemie und lädt wie Jesu damals die Jünger – die Menschen heute zum Gott-Vertrauen und Glauben ein. Sein stilles persönliches Gebet vor der Marienikone und dem Pestkreuz – Momente, die für sich sprechen. Wie auch das stille Gebet vor dem Herrn, dem Leib Christi in der Monstranz. Und beim Segen, er, der Papst geht allein den Herrn tragend hinaus vor den Petersdom, segnet die Stadt und den Erdkreis. Es ertönen dabei nicht nur die Glocken, sondern auch das Martinshorn als Zeichen für die vielen Kranken in den Hospitälern, für die Ärzte, Rettungskräfte und das Pflegepersonal in den Kliniken und Heimen, deren Dienst in dieser Krisenzeit so wichtig ist. Für mich ein Moment großer Demut, Solidarität und Barmherzigkeit. 

Rafael van Straelen
Pfarrer
Veröffentlicht: 31.03.2020



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