Sonntagsgruß

Liebe Gemeinde!
Mit dem Ende der Sommerferien und dem Beginn des neuen Schuljahres werden die Kinder, zumindest viele Schülerinnen und Schüler in der Klasse, gefragt: Und was war Dein schönstes Erlebnis im Urlaub?
Mein schönstes Erlebnis trug sich weit vor meinem Urlaub, nämlich Anfang Juli zu; und es hatte eine lange Vorgeschichte: Im Januar erhielt ich eine Mail mit folgendem Inhalt: „Guten Tag! Ich heiße Mathias und wohne in Gent, Belgien. Mit einem guten Freund radle ich im Juli 2019 von Gent nach Berlin. Auf dem Weg in Bocholt suche ich nach einem Platz, an dem wir unser kleines Zelt für eine Nacht aufstellen können. Ist das hinter der Kirche möglich? Oder auf der Pfarrwiese? ....“ – Eine ungewöhnliche Anfrage. Die Person kannte ich nicht. Und woher sie meinen Kontakt hatte, vermutlich Internet, wusste ich nicht. Ich antwortete Mathias, dass dies möglich sei; aber statt Pfarrgarten für das Zelt, könnte ich ihm und seinem Freund auch Gästezimmer mit Bett und Dusche/WC anbieten; zudem sicherte ich ihm ein Abendessen und Frühstück zu. Diese Zusage nahm Mathias in der Antwortmail dankend an. – Dann hörte ich lange nichts.
Zu Ostern ein kurzer Gruß, dass die Planungen zur Radtour liefen. Am 28. Juni tauschten wir kurz unsere Mobilnummern aus für den Fall der Fälle. Am 1. Juli wollten die Beiden am frühen Abend in Bocholt sein.
Und so war es: Kurz nach 18.00 Uhr klingelte es. Vor der Tür des Pfarrhauses standen Mathias und Jonas. Nach einer herzlichen Begrüßung und einigen Hinweisen, machten sich die Beiden, daran, ihre Räder abzupacken und ihre Zimmer zu beziehen. Ich hatte die Abendmesse in der Kapelle der Liebfrauenkirche zu feiern. Die Beiden nutzen die Gelegenheit, im Gottesdienst dabei zu sein. Dann habe ich gekocht, während wir uns dabei näher kennenlernten. Mit Essen und Getränken haben Mathias, Jonas und ich einen herrlichen Sommerabend auf der Terrasse des Pfarrhauses verbracht; es gab viel zu erzählen von Gent, von ihren Berufen und dem, was ich tue; von Kunst, Politik, Radfahren – eben Gott und die Welt. – Nach einer kurzen Nacht und einem Frühstück machten die Beiden sich am nächsten Morgen weiter auf den Weg, Richtung Münster, dem nächsten Etappenziel. Mitte Juli erhielt ich eine Postkarte aus Berlin, ihrem Ziel. – Gelebte Gastfreundschaft ist ein hohes, auch christliches Gut. Dieser Abend mit Mathias und Jonas hat mich erinnert an die biblische Erzählung von Gott zu Gast bei Abraham bei den Eichen von Mamre (Gen 18,1-10) und an ein Wort des Apostels Paulus: „Gewährt jederzeit Gastfreundschaft!“ (Röm 12,13)
Mir ist an dem Abend und den Tagen danach jedoch sehr klar geworden: Ich bin von den Beiden durch „ihren Besuch“ und das Gespräch mit ihnen reicher beschenkt worden, als sie mit Bett, Dusche, Essen und Frühstück von mir. Wie wichtig doch Gastfreundschaft ist!
Ich wünsche Ihnen allen einen erholsamen, gesegneten Sonntag; einen guten Start in die neue Woche und in das neue Schuljahr,
Ihr Pastor
Rafael van Straelen
 
Veröffentlicht: 23.08.2019