Sonntagsgruß

Wenn es mittags mal mit dem Essen schneller gehen muss, oder man mit meinen rudimentären Kochkenntnissen ausgestattet ist, dann hilft oft nur Nudelkochen oder das „gute“ aus der Konserve. Die zu öffnen ist oft gar nicht so leicht in der Schnelligkeit. Dann bricht man in der Hektik den Öffnungsring ab und stellt immer wieder fest, dass man sich doch schon lange mal einen Dosenöffner kaufen wollte. Die besten Fertiggerichte taugen nichts, wenn man die Dosen nicht öffnen kann.
Manchmal denke ich mir auch das Gleiche über die Menschen. Einige, die ich treffe, sind so verschlossen, dass ich mir zwar denken kann, dass da was drin ist, dass da in einem Menschen was vorgeht, aber es kommt nichts zum Vorschein. Kummer, Sorgen, Schmerzen, Ängste und Verletzungen stecken oft in einem Menschen sehr tief drin, ohne dass davon etwas nach außen dringt. Da wünsche ich mir auch einen Öffner, damit ich weiß, was ich meinem Gegenüber Gutes tun kann, wie ich helfen kann.
Oft erlebe ich, dass es, wenn Menschen sehr verschlossen sind, Enttäuschungen und Missverständnisse zu Hauf gibt.
Wo Menschen miteinander leben ist Sprachlosigkeit sehr gefährlich. Na gut, zugegeben, geredet wird viel am Tag. Meistens aber über einen anderen. Da bräuchte man einen Öffner für den Menschen selbst – für ein gemeinsames Miteinander.
Jesus hat im heutigen Evangelium einem Taubstummen die Sprache zurückgegeben. Bei vielen Menschen wünsche ich mir das auch, denn den Öffner für verschlossene Menschen habe ich noch nicht gefunden.
Einen Dosenöffner hingegen habe ich mir aber mittlerweile schon gekauft.
Also nutzen wir unsere Stimme.
Ihr
Kaplan Lukas Hermes
 
Veröffentlicht: 07.09.2018