Die Kirche Heilig Kreuz

 Die Kirche Heilig Kreuz
Vorgeschichte des Kirchenbaus
Bereits vor Beginn des Ersten Weltkriegs gab es Pläne, am Kreuzberg eine Kirche zu bauen. Um die Kirche, im Gebiet des Hochfelds und am Friedhof waren viele Menschen aus der Stadt gezogen, die seelsorglich betreut werden wollten. Doch erst im Jahre 1932 wurde in der ehemaligen Schreinerei der Pieronschen Fabrik eine Notkirche eingerichtet. Diese reichte wegen des begrenzten Platzangebotes kurze Zeit später bereits nicht mehr aus. Heinrich Becking, ab 6. Februar 1933 Pfarrektor der Notkirche, sowie zahlreiche Gemeindemitglieder und Christen aus der ganzen Stadt setzten sich unermüdlich für einen Kirchenneubau ein.Karfreitag 1936 wurde dann dem herrschenden Zeitgeist des Nationalsozialismus zum Trotz im Bereich des zukünftigen Altarraumes ein Hochkreuz errichtet und unmittelbar nach Ostern mit dem Kirchbau begonnen.
Der Architekt: Dominikus Böhm
Den Auftrag zur Planung der neuen Kirche erhielt Professor Dominikus Böhm (geb. am 23. Oktober 1880 in Ulm - gest. am 6. August 1955 in Köln). Der seit 1926 an den Kölner Werkschulen lehrende Architekt Böhm tritt besonders durch einen neuen, vereinfachten Baustil, der das Wesentliche des Glaubens und die Gemeinschaftlichkeit der christlichen Gemeinde herausarbeiten will, in Erscheinung. Böhm verfolgt so das Ziel einer ,,Christozentrischen Baukunst“, wie der Titel eines Buches des niederländischen Priesters Van Acken lautet, in dem frühere Entwürfe Böhms bereits 1923 veröffentlicht wurden. Sein zentrales Anliegen ist, den Kirchenbesucher hinzuführen zum Wesentlichen des Gotteshauses: Ort des Gebetes und der Gemeinschaft im Glauben zu sein. Der Gläubige soll nicht z.B. durch imposante Ornamentik oder Farbgebung abgelenkt werden. Der Weg, dieses Ziel zu erreichen, ist die Vereinfachung. Der Altar soll in der räumlichen Anordnung des Gebäudes als liturgischer Mittelpunkt der Kirche und damit der Gemeinde deutlich werden. .
Die Kirche von Heilig Kreuz
Der Grundriss der Kirche ist kreuzförmig: Im Kern der erhöhte Altar und das Allerheiligste, im linken Querschiff die ursprünglich nicht vorgesehene Seitenkapelle, im rechten Querschiff die Sakristei, um den Altarraum führt ein umlaufender Gang, der für Prozessionen genutzt werden kann. Der Eingangsbereich mit der darüberliegenden Orgelbühne und einem großformatigen Fenster geht in das Mittelschiff des dreigliedrigen Langhauses (Mittelschiff und zwei Seitenschiffe) über. Bevor der Gläubige die Kirche aber betritt, nimmt er den monumental und gedrungen wirkenden Turm mit quadratischem Grundriss als markantes Zeichen der Kirche wahr. Unter dem wie das übrige Kirchengebäude in rotem Klinker gehaltenen Turm befindet sich eine geräumige Vorhalle, die den Kirchenbesucher ,,auf die Heiligkeit des Ortes vorbereitet‘ (Zitat von Dominikus Böhm aus dem Erläuterungsbericht zum Kirchenneubau). Vom Turmportal aus gelangt der Gläubige dann durch einen Vorraum in das Kirchenschiff. Dort fällt sein Blick auf den noch entfernten Kern der Kirche, den Altarraum, zu dem sechs Stufen hinaufführen.,,Die Kirche ist“ - so Böhm - ,,die Wohnung Gottes. Sie hat die hehre Aufgabe, den Gläubigen eine wahre Stätte der Andacht zu sein und soll dem Besucher dabei das Gefühl religiösen Geborgenseins vermitteln.“
Das Hauptschiff der Kirche (48 m lang, 10 in breit, 12 m hoch) ist - wie alle Gebäudeteile -schlicht gehalten: weiß gekälkte Wände, eine einfache Holzbalkendecke, wenig aufwendig gestaltetes Gestühl. Die Seitenschiffe sind je 5 m breit und 4 m hoch.
Wesentliche Bedeutung für den Kirchenbau hat der Umgang mit Licht, zu dem Böhm formuliert: ,,Das Licht ist das edelste und das uns unmittelbar von Gott gegebene Baumaterial“. So differenziert der Baumeister bewusst zwischen der Tages- und der Nacht-Beleuchtung. Am Tag fällt das Licht vormittags durch die östlichen und nachmittags durch das westlichen jeweils hoch im Langhaus deckennah angebrachten Fenster. und diese tragen so das unterschiedlich wirkende ,,kühle“ Ostlicht und das ,,goldene“ Westlicht zu den verschiedenen Tageszeiten in das Gotteshaus.
Stationen der Kirche:
Ein Jahr vor dem 1. Weltkrieg: erste Pläne, eine Kirche im östlichen Teil Bocholts zu errichten  

6. Juni 1932: Einsegnung einer Notkirche in der ehemaligen Pieronschen Fabrik  

25. Mai 1936: Grundsteinlegung von Heilig Kreuz  

1. Sept. 1936: Richtfest

13. Juni 1937: Weihe der Kirche

16. Dez. 1951: Weihe von vier neuen Glocken  

16. Feb. 1975: Einweihung des Kreuzbergheimes  

im Jahr 1978: Neugestaltung des Kreuzberges  

im Jahr 1987: Renovierung der Kirche und Erneuerung des Fußbodens  

13. Juni 1987: 50-Jahr-Feier Heilig Kreuz

Sommer/Herbst 2003: Erneuerung der Fassade

  Autor: Reinhold Sprinz

  Link zu Dominikus Böhm