Impuls am Abend - Ich bleibe (4)

Die vierte Begründung für ihr Bleiben in der Kirche beginnt Birthe Mühlhoff mit der immer wieder zu hörenden Aussage: „… die Kirche kann bald einpacken, weil ihr die Mitglieder davonlaufen“. Dagegen wendet sie ein, wer so argumentiert, hat die Kirche nicht verstanden. „Wenn´s hart auf hart kommt, reichen zwei oder drei Menschen aus, und Kirche findet statt“. Dann heißt es: „Die Kirche bildet…eine Gemeinschaft der Heiligen und der Toten.“ Weiter sagt sie von der Kirche: „Ihr Erfolg bemisst sich nicht an den Mitgliederzahlen. Mehr noch: Er bemisst sich nicht einmal an der moralischen Integrität ihrer Mitglieder.“ Und: „Die Kirche ist eine geistige Gemeinschaft, kein Unternehmen.“
 
Mit den zitierten Aussagen und der dahinter zu vermutenden Auffassung von der Kirche habe ich Schwierigkeiten.
 
Die Zitate weisen auf etwas Richtiges hin, sind aber einseitig und deshalb auch falsch. Natürlich findet Kirche statt, wenn zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind. Aber das macht doch nicht die ganze Kirche aus. Ebenso ist es nur die halbe Wahrheit, wenn die Autorin sagt, die Kirche bilde eine Gemeinschaft der Heiligen und der Toten. Die Lebenden und die Sünder gehören unbedingt dazu. Natürlich sind die bloßen Zahlen nicht das Wichtigste für die Bemessung des Erfolgs. Aber die hohen Austrittszahlen im Erzbistum Köln und anderswo sind doch wohl Zeichen des Misserfolgs. Zahlen spielen durchaus auch eine Rolle. Dass der Erfolg der Kirche sehr wohl auch von der moralischen Integrität ihrer Mitglieder abhängt, zeigen die Reaktionen auf den Missbrauchsskandal überdeutlich. Die Kirche ist eine geistige Gemeinschaft, aber auch ein Unternehmen.
 
Ich merke, dass ich sehr oft „auch“ formuliert habe. Das zeigt wohl meine Schwierigkeit mit den Aussagen von Birthe Mühlhoff. Was sie sagt, trifft nicht die ganze Wirklichkeit der Kirche. Die Kirche ist nicht nur geistige Gemeinschaft, sondern auch Institution. Die äußere Erscheinung scheint mir die Autorin als nicht relevant anzusehen. Das halte ich für falsch und gefährlich.
 
Wenn das Institutionelle, die öffentliche Erscheinungsform, der Kirche nicht ernst genommen wird, besteht die Gefahr, dass Missstände und die Notwendigkeit von Reformen verharmlost und Menschen, die darunter leiden, nicht geachtet und gewürdigt werden. Dann muss die Kirche die Verbrechen der Täter des sexuellen Missbrauchs und die Leiden der Opfer nicht so wichtig nehmen. Solche Tendenzen gibt es leider auch heute immer noch.
 
Ich kann verstehen, dass deshalb viele sagen: „Ich bleibe nicht“.
 
Befürworten tue ich es nicht.
 
Versuchen wir zu zeigen, dass es auch anders geht.
 
 
Ihr Hans Döink
 
Veröffentlicht: 27.04.2021




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