Impuls am Abend - Ich bleibe (3)

Als dritten Grund für das Nichtaustreten aus der katholischen Kirche und das Bleiben in ihr führt die Schriftstellerin Birthe Mühlhoff eine persönliche Erfahrung an. Sie ist katholisch aufgewachsen. Auf dem Weg zum Erwachsendasein hat sie angefangen, Nietzsche zu lesen und hatte dadurch offensichtlich den Glauben verloren. Sie hat es nicht für möglich gehalten, eines Tages wieder an Gott glauben zu können. Sie sagt, dass sie knapp davor war, den Verstand zu verlieren. Sie war dankbar dafür, irgendwo anrufen zu können und zu hören, für ein Glaubensgespräch könne sie einfach vorbeikommen.

Sie räumt ein, dass es für Menschen, die fest im Glauben stehen, möglich sein kann zu sagen: „Ich brauche die Kirche nicht, ich kann genauso gut alleine Christ sein.“ Für sie ist das aber schwer nachvollziehbar. Sie fährt dann fort: „Einige der verrücktesten, kaputtesten Menschen habe ich im Kontext Kirche kennengelernt – und einige der inspirierendsten und wirklich in sich ruhenden. Für die ersteren will ich zu den letzteren gehören. Und das kann ich nur, wenn ich bleibe.“

Wenn ich die Autorin richtig verstehe, hat sie durch die Lektüre der Werke des bedeutenden Philosophen Friedrich Nietzsche, der gesagt hat: „Gott ist tot“, den Glauben verloren und ist damit in eine schwere Lebenskrise geraten. Geholfen hat ihr in dieser Situation die Möglichkeit, ohne lange Wartezeit ein Glaubensgespräch mit einer Person der Kirche führen zu können.

Darin zeigt sich eine ganz wichtige helfende und heilende Aufgabe der Kirche. In unterschiedlicher Weise versucht sie,  dieser Verpflichtung des Dienstes an den Menschen nachzukommen. Es gibt die Möglichkeit zu Einzelgesprächen mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern. Es gibt unterschiedliche Gesprächskreise, in denen Fragen des Glaubens und des Lebens besprochen werden. Oft bestehen sie viele Jahre. Die Verkündigung in den Gottesdiensten versucht, wichtige Inhalte der Botschaft Jesu zu vermitteln, ebenso in den Katechesen zu den Sakramenten.  Es gibt Ehe-, Lebens- und Familienberatungsstellen. Papst Franziskus weist immer wieder auf diese Aufgabe der Kirche hin, sich den armen, den angefochtenen und den am Rande lebenden Menschen zuzuwenden und sie nicht alleine zu lassen. Das ist für Birthe Mühlhoff und viele andere Menschen guter Grund, in der Kirche zu bleiben.

Relativieren möchte ich ihre Begründung, dass sie nur in der Kirche für die “verrücktesten und kaputtesten Menschen“ eintreten kann. Es ist gut, dass alle möglichen Menschen in der Kirche Platz haben, aber die gibt es auch außerhalb der Kirche und auch dort kann man sich für sie einsetzen.

Wie können Sie mithelfen? Fragt und ermuntert dazu

Hans Döink
Veröffentlicht: 23.04.2021




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