Impuls am Abend - Sein Kreuz auf sich nehmen

Was soll das eigentlich: „Sein Kreuz auf sich nehmen“ oder „sein Kreuz tragen“.
Mich befremden – ehrlich gesagt – die Worte. Ich tue mich schwer mit diesem Bild und Aufruf: „Sein Kreuz auf sich nehmen.“ – Weder verstehe ich meine Art und Form der Nachfolge Jesu so, noch meine ich, dass zum Christsein aktives und ungerechtes Leiden unbedingt dazu gehört.

In einem alten, traditionellen Kirchenlied heißt es (Gotteslob 461):
„Mir nach“ spricht Christus, unser Held, „mir nach, ihr Christen alle!
Verleugnet euch, verlasst die Welt, folgt meinem Ruf und Schalle;
Nehmt euer Kreuz und Ungemach auf euch, folgt meinem Wandel nach.

So lasst uns denn dem lieben Herrn, mit unserm Kreuz nachgehen
Und wohlgemut, getrost und gern in allem Leiden stehen.
Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon.

So oft ich in meiner Kindheit und Jugend als Messdiener dieses Lied gesungen habe, irgendetwas sperrte sich immer in mir dabei.

Diesem Kirchenlied aus dem 17. Jh. liegt eine Äußerung Jesu im Evangelium zugrunde:
Jesus spricht zu seinen Jüngern, die er als Apostel ausgewählt hat und aussenden will. Mit Blick auf das Leben in der Nachfolge fordert er sie zu einem furchtlosen Bekenntnis zu ihm auf und sagt u. a.: „Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.“ (Matthäusevangelium 10, 38; Kapitel 10 umfasst die ganze Rede Jesu)

In meinen letzten Exerzitien im vergangenen Februar sagte der Benediktinerpater, der meine Kollegen und mich durch die Tage der Besinnung und des Schweigens begleitete: „‘Sein Kreuz auf sich nehmen‘ meint nicht mehr als, sein Christsein tagtäglich zu leben mit allen Schwierigkeiten, Herausforderungen und Unannehmlichkeiten, die es geben mag.“

Diese Deutung ist mir eine Hilfe, das Wort Jesu vom ‚Kreuz auf sich nehmen‘, etwas besser zu verstehen: Tagtäglich mein Christsein leben. Das mag manches Mal Unverständnis hervorrufen, damit mag ich anecken, das ist bisweilen auch unangenehm. Gerade in unserer aktuellen Zeit und gesellschaftlichen Situation ist die Tatsache „Christ / Christin zu sein“ nicht ungefragt positiv besetzt. (Stichwort: Wie kannst Du noch…, wo doch…!)

Sein Kreuz auf sich nehmen – das meint: Leben in der Nachfolge Jesu Christi, die Botschaft Jesu leben, sich zu ihm zu bekennen. Das ist schon Herausforderung genug für heute, morgen und jeden neuen Tag!

Rafael van Straelen
Veröffentlicht: 12.03.2021




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