Impulsam Abend - Gott auf die Probe stellen


 
Die Lesung in den Gottesdiensten heute hat es in sich! Aus der Abraham-Erzählung wird geschildert, dass Abraham seinen Sohn opfern soll. Eine Geschichte, die in den Ohren einer jeden Mutter, eines jeden Vaters, ja jedes Menschen gellen muss. Da sträubt sich alles. Und man mag klar Position beziehen: An einen solchen Gott, der Menschen (Kindes) Opfer fordert kann und will ich nicht glauben. Zurecht! Ich nicht.
 
Diese Erzählung, dass Abraham seinen Sohn Isaak opfern soll, ist sehr eigentümlich. Nachzulesen im 22. Kapitel des Buches Genesis. Sie beginnt damit, dass Gott Abraham auf die Probe stellt. In der damaligen biblischen Zeit waren in den Nachbarvölkern und -Religionen des Volkes Israel Menschenopfer üblich. Religionsgeschichtlich und -phänomenologisch also zunächst nichts Ungewöhnliches, dass ein Gott Menschenopfer fordert.
 
Interessant wird die Erzählung an der Stelle, wo der Sohn Isaak, der mit Abraham unterwegs ist zum Berg Morija, seinen Vater fragt, wo denn das Lamm für das Opfer sei. Und Abraham antwortet: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn. Auf dem Berg angekommen, errichtet Abraham einen Altar, schichtet Holz und legt seinen Sohn darauf. Die Situation erfährt eine dramatische Zuspitzung.
 
So stellt Abraham Gott auf die Probe. Im Alten Testament ist der Altar das Zeichen für den Bund, den Gott mit den Menschen geschlossen hat; der Altar ist der Ort der Erinnerung an die Verheißung Gottes; an seine Zusage von Nachkommen, Leben und Segen (s. Genesis 9; 12 und 15). Abraham Sohn auf dem Altar; damit fordert Abraham Gott heraus, stellt ihn auf die Probe, in dem Sinn: Bist du, mein Gott, ein Gott wie die anderen Gottheiten und Götter, die Menschenopfer verlangen? Oder bist du, Gott Jahwe, ein Gott, der treu zu seinen Verheißungen, seinen Zusagen steht? Oder bist du, Gott, ein Gott, der doch den Tod und die Vernichtung des Menschen will?
 
Interessant ist, dass der Bote Gottes selbst (der Engel des Herrn) erscheint und dem Abraham Einhalt gebietet. Abraham soll seine Hand nicht gegen den Jungen ausstrecken und ihm nichts zuleide tun. Und dann erneuert Gott seine Zusage (Verheißung) gegenüber Abraham. – Als Ersatz für den Sohn lässt der Bote Gottes Abraham einen Widder entdecken, der sich im Gestrüpp verfangen hat. Anstelle eines Menschen wird ein Tier geopfert. – Der Gott Israels (der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs) will keine Menschenopfer. Er lehnt sie ab. – Jahrhunderte später ist es Jesus von Nazareth, der daran erinnert, dass Gott weder Tiere noch andere sachliche Dinge als Opfer will, sondern einzig und allein das aufrichtige, vertrauende Herz des Menschen, sowie Gerechtigkeit und Frieden.
 
Diesen Gedanken, dass ich diese so aufwühlende Erzählung auch lesen und deuten kann im Hinblick darauf, dass Abraham Gott auf die Probe stellt, habe ich vor einigen Wochen in meinen Exerzitien entdeckt. Diese Deutung macht diese Erzählung nicht rund oder leichter verständlich, regt aber zum Nachdenken an. Und dass Abraham Gott auf die Probe stellt, ist nicht neu. Als es um die Bewohner von Sodom ging, wusste Abraham sehr genau mit Gott zu feilschen. Aber das ist eine andere Geschichte. (S. Genesis 18, 16ff.)
 
Abraham – Vater aller Glaubenden. Ein Mensch, der um seinen Glauben an Gott ringt.
 
Rafael van Straelen
 
Veröffentlicht: 28.02.2021




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