Impuls am Abend - Fastenzeit so oder so

Mit dem Aschermittwoch heute hat die Fastenzeit begonnen. Für manche eine willkommene Gelegenheit, im Bezug auf das Körpergewicht zu fasten oder sich bezüglich anderer unguter Anhänglichkeiten in Verzicht zu üben.
 
Die Fastenzeit als Zeit des Verzichtes ist vielen vertraut. Ich erinnere mich, dass dies für mich in meiner Kindheit stets bedeutete, auf Süßigkeiten zu verzichten.
 
Im Rundfunk auf WDR 2 wurde heute den Tag über darüber diskutiert, ob in diesem Jahr die Fastenzeit als Zeit des Verzichtens angebracht sei. Pro und Contra wurden in verschiedenen Statements diskutiert.
 
Umgangssprachlich nennen wir die Zeit von Aschermittwoch bis Ostern Fastenzeit. Kirchlich gesehen ist es die österliche Bußzeit: Zeit der Prüfung, kritischen Hinterfragung, Erneuerung der eigenen Gottesbeziehung und Beziehungen im Leben.
 
Bußzeit – Buße tun – das muss sich nicht nur in köperlichem Fasten oder anderen Formen des Verzichtens zeigen. Buße tun kann auch beinhalten Gutes tun; und das ganz bewusst.
 
Im biblischen Buch Jesaja ist zu lesen (Jesaja 58, 5-8):
„Ist das ein Fasten, wie ich es wünsche, ein Tag, an dem sich der Mensch demütigt: wenn man den Kopf hängen lässt wie eine Binse, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem HERRN gefällt?
Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche:
Die Fesseln des Unrechts zu lösen,
die Stricke des Jochs zu entfernen,
Unterdrückte freizulassen,
jedes Joch zu zerbrechen.
Bedeutet es nicht,
dem Hungrigen dein Brot zu brechen,
obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen,
wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden
und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen?
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot und deine Heilung wird schnell gedeihen. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des HERRN folgt dir nach.“
 
Der Prophet Jesaja benennt schöne Beispiele guter Taten, durch die der Mensch das Fasten ganz anders gestalten kann. Nicht Verzicht, sondern bewusstes Tun, das Gutes bewirkt.
 
Ich halte diese Form der Fastenzeitgestaltung in diesem Jahr für sehr, sehr sinnvoll.
Verzicht üben wir schon seit Wochen und Monaten auf vielerlei Weise: Verzicht auf Kontakte, Besuche, Feste und Feiern und vieles mehr. – Gutes tun. Ich erlebe, dass viele Menschen müde, angespannt, launisch, ja aggressiv sind angesichts dieses lang anhaltenden Lockdowns. Eine gute Tat käme da gerade recht: ein freundliches Wort oder Lächeln, eine gelassene Reaktion in angespannter Situation…
Ich nehme mir vor, jeden Tag einen Menschen anzurufen, den ich schon lange nicht mehr gesehen oder gesprochen habe. Jeden Tag bewusst eine Person. Mal sehen, was draus wird…
Und Sie?
Einen guten Weg durch diese Fastenzeit wünscht
  
Rafael van Straelen
 
Veröffentlicht: 17.02.2021




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