Impuls am Abend - Das letzte Gericht

Gegen Ende des Kirchenjahres sprechen die Texte vom Kommen des Menschensohnes. In verschiedenen Bildern und Gleichnissen beschreibt das die Bibel und sagt, dass es zum Gericht kommt. Wir nennen es das letzte Gericht oder Endgericht. Das ist ein ernstes Geschehen, das aber keine Angst machen soll. Wie ist es zu verstehen?
 
scheiden statt richten
Das letzte Gericht ist kein Vorgang, wie wir ihn in unserer Strafjustiz kennen mit Angeklagtem und Ankläger, Urteil und Strafe. Bei der Gerichtsszene im Matthäusevangelium wird gesagt, dass der Menschensohn die Schafe von den Böcken scheidet (Mt 25,32). Es geht also um eine Unterscheidung und Trennung. Im Blick auf uns Menschen meint das wohl, dass unterschieden wird, was in unserem Leben gut und was böse war. Im Angesicht des Menschensohnes und seiner Liebe wird klar, wo wir in der Liebe versagt haben, aber auch, wo wir dem Wort Jesu entsprechend gehandelt haben. Dann haben nicht andere Menschen über unser Leben das letzte Wort, sondern in der personalen Begegnung mit dem Menschensohn erkennt er und wir selbst die Wahrheit unseres Lebens. Diese Erkenntnis wird schmerzhaft sein und uns beschämen.
 
aufrichten statt hinrichten
Manchmal wird diese Scheidung mit dem Bild einer Waage mit zwei Waagschalen dargestellt. In der einen Schale liegen die guten Werke und in der anderen die Sünden. Die schwere Schale bestimmt, ob wir in den Himmel oder die Hölle kommen. Diese Vorstellung ist falsch. Gute und böse Werke sind nicht gegeneinander aufrechenbar. Die Sünden haben kein Gewicht mehr. Jesus hat sie von uns genommen – uns von ihnen erlöst. Deshalb können sie uns nicht mehr belasten, wenn wir uns an Jesus halten.
 
jüngstes statt letztes
Die Bezeichnung letztes Gericht oder Endgericht könnte verstanden werden, als sei damit alles aus und abgeschlossen. Im Johannesevangelium wird mehrfach vom Jüngsten Tag gesprochen (6,39 ff). Jüngst ist eine Steigerung von jung. Wer jung ist, hat das Leben noch vor sich. Die Offenbarung des Johannes sagt, wie das sein kann. Sie spricht von einem neuen Himmel und einer neuen Erde, in der es keinen Tod und keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal mehr gibt (Offb 21,1 ff). Eine schöne Zukunft steht uns bevor.
 
Bis dahin sollen wir wachen und beten, etwa so:
„Herr Jesus Christus, deine Wiederkunft wird Gericht sein und in ein Fest münden. Der Himmel wird neu, die Erde wird neu. Die Völker werden sich in deinem Frieden versammeln. Ostern wird sein für alle im himmlischen Jerusalem. Lass uns dabei sein und leben in Ewigkeit. Amen.“ (Gotteslob 680,9)
 
Ich grüße Sie mit der Einladung: „Richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe“ (Lk 21,28).
 
Ihr Hans Döink
 
P.S. Ich habe eine Frage: Dass die Erde erneuert werden muss, ist klar; warum aber auch der Himmel?
 
Veröffentlicht: 17.11.2020




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