Impuls am Abend - Vormacher und Nachahmer

Eltern, die mehrere Kinder haben, wissen um Folgendes: Die jüngeren Kindern lernen von den älteren Geschwistern. Dadurch sind die Jüngern manchmal etwas schneller in ihrer Entwicklung. Die Jüngeren möchten einfach mit den Älteren mithalten. Da sind die älteren Kinder, die es ihren jüngeren Geschwistern vormachen, so dass diese zu Nachahmern ihrer älteren Geschwister werden.

Aber auch von Erwachsenen lernen Kinder und manchmal ergeben sich Situationen, in denen zu erleben ist, wie gern Kinder Erwachsene nachmachen in deren Gesten und Haltungen. Sehr treffend und schön ist dies in manchen Szenen des Filmes „Der Junge muss an die frische Luft“ über und von Hape Kerkeling zu sehen. Der junge Hans Peter ahmt seine Verwandten nach, so gekonnt und belustigend, dass einigen Familienangehörigen vor Lachen die Tränen in die Augen schießen.

Kinder lernen durch Vorbilder; durch Menschen, die etwas vormachen – im positiven Sinn -, so dass sie das abgucken und nachmachen können. Durch häufiges Erleben bzw. Wiederholen können sie die Dinge verinnerlichen ohne große Lernanstrengung.

Auf diese Weise habe ich in meiner Kindheit, aber auch Jugend und im Erwachsenenalter, vieles gelernt; und für so Manches, wie z. B. Gebete und Lieder der Kirche, bin ich sehr dankbar. Denn ich kann sie heute gut anwenden und habe sie stets parat.

Ich erlebe in den letzten Wochen, gerade in der Feier von Gottesdiensten, Momente, die mich sehr nachdenklich und traurig stimmen: Da ist z. B. ein Kommunionkind, das in der Feier des Gottesdienstes zu Beginn alles mitmacht, Kreuzzeichen und Antworten. Es schaut zu seinem Vater, der neben ihm sitzt, und sieht, dass dieser weder sich regt noch was sagt. Der Vater bleibt Kaugummi kauend stumm. Da der Vater nichts mitmacht, stellt auch das Kind sein Mittun ein. Der Vater macht vor, nichts mitzumachen, das Kind ahmt dem nach. Schade! Und das am Fest der Erstkommunion. Dem Kind fehlt der Vormacher und Mitmacher im positiven Sinn.

Ich vermute, dies wird nicht nur in religiösen Dingen so sein, sondern auch in vielen anderen Lebensbereichen. So zeigt sich eine zunehmende Unsicherheit und Unwissenheit. Wer ist mir ein gutes Vorbild (gewesen), von wem habe ich durch Nachahmen etwas gelernt? Und wem kann ich ein Vorbild sein? Fragen, über die nachzudenken sich lohnt, meint

Ihr
Rafael van Straelen
 
Veröffentlicht: 10.09.2020




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