Impuls am Abend - Grenzenlos

Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, Abstand zu halten. Nicht immer gelingt es. Aber es ist einem doch ins Bewusstsein übergegangen. Auch bei der Feier des Gottesdienstes und in unseren Kirchen halten wir Abstand. In den Kirchen wird es vor allem durch die mit Bändern abgesperrten Sitzbänke sichtbar. Wir ziehen Grenzen und bauen Sperren, um Abstand zu wahren. Bisweilen ist der direkte Zugang verwehrt. 

Gestern Nachmittag wurden in der Liebfrauenkirche zwei Säuglinge getauft. Eine Tauffeier hatte Kaplan Lukas Hermes, eine ich. Beide haben wir zu den Tauffamilien von Absperrung und freiem Zugang gesprochen. Hintergrund ist folgende biblische Erzählung: 

„Da brachte man Kinder zu ihm, damit er sie berühre. Die Jünger aber wiesen die Leute zurecht. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.“ (Markusevangelium 10, 13-16)

Die Jünger weisen die Mütter mit ihren Kindern ab. Sie ziehen mit Worten eine Absperrung um ihren Herrn und Meister Jesus. Sie verwehren den Müttern mit ihren Kindern den Zugang zu Jesus. Doch Jesus heißt ihr Verhalten nicht gut, sondern tadelt sie für ihre Vorgehensweise. ER, Jesus, möchte, dass die Kinder zu ihm kommen können. Freier Zugang zu Jesus Christus! Denn Kindern gilt zuerst und vor allem die Zuwendung Gottes.

Die Taufe schenkt dem Menschen die Verbundenheit mit dem dreifaltigen Gott, mit dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Der getaufte Mensch lebt in dieser göttlichen Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft mit Gott soll der Mensch im Laufe seines Lebens immer tiefer entdecken können, damit er daraus kraftvoll leben kann. Eltern und Paten wirken daran mit, dass die getauften Kinder so Gott entdecken können. Also in der religiösen Erziehung und Weitergabe des Glaubens keine Grenzen ziehen, Gott nicht auf Abstand halten, sondern grenzenlos freien Zutritt gewähren und ermöglichen. 

Aber dies gilt nicht nur im Fall der Taufe. Die Kirche insgesamt sollte die Erzählung von der Segnung der Kinder als Maßstab nehmen, in ihrem Agieren nicht unnötige Grenzen oder Absperrungen errichten, sondern dafür eintreten, dass Menschen einen freien Zugang zu Gott haben, um unter seinem Segen gut leben zu können.

Ihr
Rafael van Straelen
Veröffentlicht: 15.06.2020




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