Impuls zum Evangelium - Pfingsten 31. Mai 2020

Pfingsten – Der Abschluss des Osterfestes ist zugleich ein Auftakt:
 
Aus dem Evangelium: (Joh 20, 19-23)
Am Abend des ersten Tages der Woche,
als die Jünger aus Furcht vor den Juden
bei verschlossenen Türen beisammen waren,
kam Jesus,
trat in ihre Mitte
und sagte zu ihnen:
Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen:
Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte,
hauchte er sie an und sagte zu ihnen:
Empfangt den Heiligen Geist!
Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen;
denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
 
Gedanken zum Evangelium:
Verrückt! Johannes hat Pfingsten verrückt, verschoben. Eigentlich zusammengelegt mit Ostern: Geistsendung am Ostersonntagabend. In den vorhergehenden Zeilen beschreibt Johannes noch, wie Maria von Magdala die verängstigten Jünger zusammengetrommelt und ihnen erzählt, dass Jesus lebt und unterwegs zum Vater ist (Johannes 20,11-18). Jetzt steht er zwischen ihnen, weist sich mit seinen Wunden als der aus, von dem Maria Wunderbares erzählt hat.
Theologisch passt das. Jesu Sendung durch den Vater endet mit dem Tod beziehungsweise der Auferweckung von den Toten. Diese Sendung überträgt Jesus nahtlos auf die Jünger, die nun am göttlichen Atem, der Schöpferkraft teilhaben. Das ist sein fortwährendes Ostergeschenk.
Dieses Geschenk umfasst neben Sendung und Inspiration noch drei weitere urchristliche Aspekte: Frieden und Freude; unverbrüchlich dazu gehört die Eliminierung der Angst.
Dass Jesus seinen Friedenswunsch wiederholt, ist kaum Zufall oder nur rhetorische Figur. In Verbindung mit der Geistsendung erscheint der Frieden als Grundbotschaft Jesu: Shalom – Heilsein und Ganzsein – ist das, was Gott mit den Menschen im Sinn hat. Belegt von einem, der gerade das maximale Gegenteil von Frieden erlitten hat. Glaubwürdiger geht es nicht. Demütiger auch nicht; mehr Mut zum Dienst am Menschen und am Frieden ist nicht denkbar.
Frieden kann, Frieden muss gelebt werden. Er ist die Weise, in der die gute Nachricht vom liebenden Gott zu den Menschen gelangt. Dieser Frieden ist vielfältig. Mit Herz, Geist und Seele hat er ebenso eine persönlich-innere Dimension wie er mit Familie, Gemeinschaft, Gesellschaft und Völkern äußere, ja universale Bezugspunkte hat.
Frieden erwächst, wenn sich Geist und Geist begegnen. Er entsteht im Dialog: im Aufeinanderhören, im Verstehenwollen, im Wohlwollen, im Segnen. Wie der Heilige Geist die Kommunikation zwischen dem Vater und Sohn in der Dreieinigkeit ist, so ist Frieden die Frucht aller Kommunikation, die von Gottes Geist inspiriert und getragen ist.
Wo Frieden misslingt, braucht es Vergebung. Sie ist für viele die schwerste Antwort auf die göttliche Liebe. Mit Gottes Geist kann sie gelingen, kann Frieden werden.
Der Kirchenvater Augustinus schrieb dazu mit einfachen Worten:
Atme in mir, Heiliger Geist,
 - dass ich Heiliges denke.
Treibe mich, Heiliger Geist,
-  dass ich Heiliges tue.
Locke mich, Heiliger Geist,
 - dass ich Heiliges hüte.
Hüte mich, Heiliger Geist,
- dass ich deine Gabe nicht verliere.


(Autor: Bernhard Riedl)
 
 
Ein anderes Gebet aus diesen Tagen lautet:

Die Gaben des Heiligen Geistes
mögen Feuer zur Erde bringen,
sodass die Gegenwart Gottes
in neuem Licht gesehen werden kann,
an neuen Orten, auf neuen Wegen.
Mögen unsere eigenen Herzen entflammt werden,
sodass kein Hindernis, wie groß es auch sein mag,
sich der Botschaft Gottes darin in den Weg stellen kann.
Mögen wir von ganzem Herzen dem Wort Gottes trauen,
um es mutig auszusprechen,
um ihm gläubig zu folgen,
um es in anderen zur Flamme zu entfachen.
Möge Jesus,
der Frauen und Männer mit seinem Heiligen Geist erfüllte,
die Welt und die Kirche mit neuem Respekt beschenken
für die Kraft und die Gegenwart des Geistes.
(Sr. Joan Chittister, OSB)
 
 
Anregung: Das Pfingstfest hält im Gotteslob eine ganze Reihe von Liedern bereit (ab Nr. 341 und im Münsteraner Anhang ab Nr. 758). Welche sind mir vertraut, welche nicht? Gibt es Liedzeilen die ich gerne auswendig singe?
 
Viele Pfingstlieder finden sich auch in Videoportalen im Internet, zum Beispiel zur Pfingstsequenz (Sequenz = erweiterter Halleluja-Vers zum Evangelium): www.youtube.com/watch?v=xAaIfxezk9o
Mit dieser mehrsprachigen Fassung des kirchlichen Hilfswerkes RENOVABIS werden wir auch an die Kollekte zu Pfingsten erinnert: im Zusammenstehen der verschiedenen Völker Europas, wo der Geist Gottes in allen Sprachen erklingt!
 
Segen für die Woche:
Mit dem Wiederholen des folgenden Kehrvers darf ich bittend und vertrauend in die kommenden Tage und die dazugehörenden Situationen gehen: beim Autofahren und beim Zuhören genauso wie beim Kochen und beim Streiten …
à „Sende aus deinen Geist – und das Antlitz der Erde wird neu!“ (GL 645, 3)


 
Veröffentlicht: 29.05.2020




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