Impuls am Abend - Neuland

Am vergangenen Montag, 25. Mai, trafen sich die Seelsorgerinnen und Seelsorger des Dekanates Rhede-Bocholt-Isselburg und die Leitungen der katholischen Einrichtungen im Dekanat zu einer Konferenz. Mit der Corona-Schutz-Verordnung vom 8. Mai sind solche Versammlungen wieder möglich. Diese Konferenz fand wegen der vorgeschriebenen Abstands- und Hygieneregeln in der St. Paul-Kirche statt. Unter anderem haben wir uns auch über das Thema „Kirche Sein in Corona-Zeiten“ ausgetauscht. Ein Kollege moderierte den Punkt und leitete das Gespräch mit den Worten ein, dass wir alle auf unterschiedliche Weise in den letzten Wochen als Kirche Neuland betreten hätten; dass wir eine ganz neue Situation erlebt hätten, die uns abverlangt hätte, neue Wege zu gehen.

Neuland betreten. Fürwahr: Ich habe in den vergangenen Wochen schon viel Neues erlebt und vor allem gelernt: Gottesdienst im Livestream feiern und dabei stets in die Kamera schauen; Konferenzen per Telefon- oder Videoschaltung.

Einige Jahre nach der Wende und der deutschen Wiedervereinigung bin ich mit Kollegen auf einer Pastoralreise im Erzbistum Hamburg unterwegs gewesen. Damals haben wir für uns viel Neuland entdecken können.

Das Bild vom Neuland findet sich wieder im biblischen Buch des Propheten Hosea:
„So spricht Gott, der Herr: Sät als eure Saat Gerechtigkeit aus, so werdet ihr ernten,
wie es der (göttlichen) Liebe entspricht. Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen. Dann wird er kommen und euch mit Heil überschütten.“ (Hosea 10, 12f)


Neuland unter den Pflug nehmen, das ist ein Aufruf, eine Aufforderung, ein Wort der Ermutigung. Sich nicht angsterfüllt oder verschreckt dem Neuland abwenden, sondern die Begehung und Bestellung des Feldes mit dem Pflug (also mit den Händen) mutig angehen. Dieses Wort ist mir immer wieder in den Sinn gekommen, wenn ich eine neue Stelle und Aufgabe antreten durfte. Und jedes Mal – wie auch jetzt in der Situation der Corona-Zeit – stellte ich fest, wie sehr dieses Wort zutrifft, wieviel Wahres, Kraftvolles und Ermutigendes in dem Wort steckt. Biblische Worte haben viel Kraft in sich; nicht nur Aussage- sondern vor allem auch Lebenskraft.

Und noch etwas fasziniert mich am Hoseawort. Er sagt: „Es ist Zeit den Herrn zu suchen.“ Eben nicht, auch nicht als sogenannter „Fachmann“ (für Gott, Glaube, Bibel, Kirche) zu meinem, um den HERRN genau zu wissen, sondern Ihn zu suchen. Mit den sehnsuchtsvollen, fragenden und glaubenden Menschen nach Gott suchen, nach den Spuren seiner Gegenwart in unserer Welt. Da bin ich dabei: beim Neuland betreten, bei der Suche nach dem Herrn. Und Sie?

Ihr
Rafael van Straelen


„Planen und bauen, Neuland begehn, füreinander glauben und sich verstehn, leben für viele, Brot sein und Wein, so spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein . So spricht Gott sein ja, so stirbt unser Nein.“ (Gotteslob 457, 3. Strophe)
 
Veröffentlicht: 28.05.2020




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