Impuls am Abend

Die Brille oder Sicht-Weisen 

Ich bin behindert. Ich bin behindert in meiner Sehkraft. Ich bin auf eine Sehhilfe angewiesen: Meine Brille. Seit meiner Einschulung trage ich eine Brille. Und im Verlauf der Jahre ist mir bewusst geworden: Sie gehört einfach zu mir. Wenn ich mich im Spiegel ohne Brille anschaue, dann ist es nicht ganz mein Gesicht, das ich da wahrnehme. Ohne Brille wären meine Sinnesorgane Augen ziemlich aufgeschmissen. Ich bin angewiesen auf meine Brille. Sie hilft mir sehen. Der Liedermacher Reinhard Mey hat vor Jahren der Brille mit einer Ballade ein schönes Denkmal gesetzt. Brillenträger sind manchmal auch im Nachteil, wie jetzt mit Maske zum Beispiel. In den Wochen der Corona-Pandemie ist bezüglich der Entscheidungen und Regelungen im Umgang mit dem Covid19-Virus öfter die Rede von „auf Sicht zu fahren“. Und in den vergangen Tagen ist vermehrt von Verschwörungstheorien und -theoretikern zu lesen und zu hören gewesen. Ehrlich und ganz entschieden: Ich brauche solche Personen und Ansichten nicht. Es gilt: Den Realitäten ins Auge zu sehen. Folgende Gedanken zu meiner Brille:

Meine Brille. Was wäre ich ohne sie?!

Die Brille gibt mir den nötigen Durchblick.
Sie verhilft mir zu einer klaren Sichtweise.
Sie schärft meinen Blick.
Sie lässt mich weiter und genauer schauen.

Jemandem die richtige Brille verpassen.
So heißt es manchmal. – Gemeint ist:
Jemandem zur richtigen Sichtweise zu verhelfen.
Den Blick weiten und über den Tellerrand schauen.

Manches lässt einen auch tiefer blicken:
Ich erhalte einen Einblick in bisher Verborgenes.
Ich durchschaue einen Zusammenhang.
Ich gewinne eine klare Sicht in nebulöser Situation.

Meine Gedanken brauchen sie: Die Brille für den Durchblick.
Meine Gefühle brauchen sie: Die Brille des Glaubens
Was wäre ich ohne sie?!

Sie hilft mir, tiefer in mich zu schauen.
Sie führt mich dazu, mich selbst zu erkennen.
Sie erhellt meine Fragen und Zweifel.
Sie weitet meinen Blick von den Füßen zum Horizont.

Sie lässt mich meinen Weg erkennen.
Sie öffnet mir den Blick für die Zukunft.
Sie gibt mir Einsicht in den Willen Gottes.
Sie lässt mich Christus im Blick behalten.
Sie lässt mich meine Berufung entdecken.

Sie lässt mich staunen über die Liebesgeschichte Gottes mit mir.

Rafael van Straelen
Veröffentlicht: 22.05.2020