Impuls am Abend

Corona: Die Gekrönte

Es ist kälter geworden. Die Tagestemperatur hat deutlich zu den frühsommerlichen Tagen in den letzten Wochen abgenommen. Meteorologen und Volksmund sprechen von den sogenannten Eisheiligen. Zu dieser Gruppe gehören Mamertus (11.5.), Pankratius (12.5.), Servatius (13.5.), Bonifatius (14.5.) und Sophia (15.5.). Die Gedenktage dieser Heiligen prägen den liturgischen Wochenkalender der Kirche. 

Eine Heilige, viele Jahrhunderte wenig beachtet, rückt neu ins Bewusstsein: Die heilige Corona, die „Gekrönte“. Ihr Gedenktag ist heute. Die Viren-Gruppe, zu der auch Covid-19 gehört, werden Corona genannt, da ihre Oberfläche aufgrund der zackenförmigen Ausstülpungen wie eine Krone aussieht. Erst kürzlich war in den katholischen Medien zu vernehmen, dass im Schatz des St. Paulus-Domes in Münster sich auch eine Statue der hl. Corona befindet. Sie steht aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie zurzeit im Altarraum des St. Paulusdomes als Patronin, Schutzheilige, gegen Seuchen und Epidemien. 

Was weiß man über diese Heilige? Kurz und knapp: Nicht viel, denn es gibt nur legendarische Überlieferungen. Sie soll um 160 n. Chr. in Syrien oder Ägypten geboren sein. Um 177 starb sie, vermutlich in Ägypten oder Syrien. Den Legenden nach soll sie die Frau eines gewissen Victor gewesen sein, der ebenso wie sie wegen des christlichen Glaubens in einer frühen Christenverfolgung den Märtyrertod starb. Corona soll als junge Frau zwischen zwei Palmen festgebunden worden sein. Als diese emporschnellten, wurde die gerade 16-Jährige in zwei Teile zerrissen. Deshalb ist sie auf Abbildungen mit einem Palmzweig oder zwischen zwei Palmen zu sehen. So in der Pfarrkirche St. Corona am Wechsel in Niederösterreich. Ohne Frage, eine sehr grausame Art zu Tode zu kommen. 

Auf anderen Abbildungen hält die hl. Corona ein Goldstück in der Hand; denn sie gilt ebenso als Patronin der Schatzgräber. In Österreich wird sie auch als Patronin der Lotterie verehrt. (Die österreichische Währung bis 1924 wurde nach ihr Krone benannt.) Es mag einem schon komisch vorkommen, dass sie zugleich auch als Patronin der Metzger, Schlachter und Fleischer gilt, da aktuell in einigen großen Fleischbetrieben festgestellt wurde, dass eine größere Gruppe der Mitarbeiter sich mit dem Corona-Virus infiziert haben. 

Wie im St. Paulus-Dom in Münster, so erinnerte man sich jüngst im Aachener Münster daran, ein Zeichen der hl. Corona zu besitzen: Ein Bleireliquiar. Das ist ein Gehäuse aus Blei, in dem ein kleiner Knochenteil der Heiligen aufbewahrt wird. Dieses wird nun restauriert. Vermutlich wird darüber irgendwann in den Medien berichtet. 

Zurück zu den Eisheiligen: Da es Mitte Mai erfahrungsgemäß, und darum wussten schon unsere Vorfahren vor Jahrhunderten, oftmals zu einem Kälteeinbruch kommt, hat man als kirchlich religiös geprägter Mensch dies in Verbindung mit den Tagesheiligen gebracht. Die Suche nach Verbindungen zwischen dem Glauben mit seinen religiösen Vorstellungen und dem im Alltag Erlebten gab es immer wieder. Die Wiederentdeckung der hl. Corona angesichts der derzeitigen Pandemie ist auch ein Beispiel dafür. Ob man heute am Gedenktag der hl. Corona ihr zu Ehren eine Kerze entzünden oder eher das Glas erheben sollte (Corona-Trinken), und was davon besser sei, mag ich nicht bewerten und bleibt Ihnen, der geschätzten Leserin, dem werten Leser, überlassen… - Ihr

Rafael van Straelen
Veröffentlicht: 14.05.2020