Impuls am Abend

Keine Normalität
Eine persönliche Einschätzung

In den vergangenen Wochen haben Vertreter der verschiedenen Religionen unter Berufung auf das Grundrecht der Religionsfreiheit eine Öffnung der Kontaktbeschränkungen für Gottesdienste gefordert.

Ich habe das kritisch gesehen und gefragt, ob es nicht andere Bereiche gibt, für die eine Lockerung notwendiger ist – wenn denn die Gefährdungslage eine Öffnung möglich macht.

Nun ist die Öffnung da und ich erfahre aus Gesprächen mit Mitbrüdern und anderen Menschen, dass sie darüber nicht glücklich sind. Pfarrer und Krisenstäbe fühlen sich unter Druck, jetzt auch die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Einige Gemeinden fahren sofort das ganze Gottesdienstprogramm wieder hoch – andere entscheiden sich schweren Herzens, noch zu warten und keine Eucharistie zu feiern.

Oft wird gesagt, die Gläubigen sehnten sich nach der Eucharistiefeier und der Kommunion. Ich kenne solche Menschen. Ich bezweifle aber, dass es sehr viele sind. Ich glaube, eine Mehrheit der Katholiken würde sich mit Blick auf die Gesamtsituation und mit Rücksicht auf andere Gruppen eher für eine spätere Öffnung aussprechen.

Beim Blick auf die konkreten Möglichkeiten verstärkt sich meine Skepsis. Die jetzigen Schritte gehen nicht in Richtung einer Normalität – weder einer alten noch einer neuen.

Der Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, äußert – neben einigen anderen Bischöfen – sein Unbehagen. In der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ (Nr. 18/2020) heißt es: 
„Im Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur bezeichnete er den Erfolg als Pyrrhussieg.`Was ist damit gewonnen? Für wen? Und mit was für Folgen? …Nur eine geringe Zahl von Gläubigen wird nach bestimmten Kriterien zugelassen. Nicht die Kranken und Schwachen dürfen kommen, sondern nur die Starken und Gesunden. Auch die mit einer schwachen Blase müssen fernbleiben, da ja die Toiletten zu schließen sind. Und dann ist es notwendig, sich anzumelden. … Und wer oder was entscheidet über eine Teilnahme? … Glaubt jemand wirklich, dass solche sterilen Gottesdienste das Herz erheben und die Seele trösten können oder Kinder und Jugendliche nur im Geringsten ansprechen? Wie soll dabei Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn und miteinander erfahrbar werden?`“

Ich halte trotz der Bedenken die für Liebfrauen beschlossene zurückhaltende Regelung für angemessen und gut.
Noch einmal Bischof Feige: “Jetzt hätten wir die Möglichkeit, … intensiver darüber ins Gespräch zu kommen, was uns auch sonst geistlich trägt und was sich an Kirche vielleicht verändern müsste“.

Ich habe Lust, dabei mitzutun. Sie auch?
Seien Sie behütet!

Hans Döink 
Veröffentlicht: 04.05.2020




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