Wort statt Brot?

Was uns der Verzicht auf das eucharistische Brot lehren kann...
Viele Christen vermissen in dieser Zeit der Pandemie die Teilnahme am Gottesdienst und den Empfang des eucharistischen Brotes, die Kommunion. Diese Entbehrung zeigt, wie wichtig die Erfahrung der Gemeinschaft und die Begegnung mit Jesus Christus, dem Herrn, im Zeichen des eucharistischen Brotes ist. Es ist zu wünschen, dass dieser Verzicht möglichst bald beendet werden kann.

Vermutlich wird es aber noch einige Zeit dauern, bis der Verlauf der Epidemie eine gefahrlose Teilnahme aller am Gottesdienst in der Kirche möglich macht. Die Teilnahme am Bildschirm ist nur ein schwacher Ersatz. Diese schmerzhafte Entbehrung kann uns über eine andere Möglichkeit der Begegnung mit dem Herrn nachdenken lassen.

Wir können dem Herrn nicht nur im sakramentalen Zeichen des Brotes begegnen. Auch in der Verkündigung des Wortes ist er gegenwärtig. Man spricht vom Tisch des Brotes und dem Tisch des Wortes. In beiden Feiern ist Christus real gegenwärtig und können wir ihm begegnen. Diese alte Wahrheit haben wir Katholiken nach dem II. Vatikanischen Konzil wiederentdeckt. So heißt es in der Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei Verbum“, dass die Kirche
„die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlass das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht“ (DV 21).
Papst Benedikt XVI. spricht in seinem Schreiben „Verbum Domini“ im Jahre 2008 von der
„Sakramentalität des Wortes (…) in Analogie zur Realpräsenz Christi unter den Gestalten des konsekrierten Brotes und Weines“. Weiter schreibt er: “Die Verkündigung des Wortes Gottes in der liturgischen Feier geschieht in der Einsicht, dass Christus selbst in ihr gegenwärtig ist und sich uns zuwendet, um aufgenommen zu werden“.
Papst Franziskus hat am 30.9.2019 den „Sonntag des Wortes Gottes“ eingeführt, um die Bedeutung des Wortes Gottes zu unterstreichen.

Die Wort – Gottes – Feier ist eine gute Möglichkeit im familiären Kreis die sakramentale und reale Gegenwart Christi und die Begegnung mit ihm zu erfahren. Sie ist unmittelbar und nicht wie die Mahlfeier durch die Übertragung verfremdet und ohne Kommunionempfang nicht vollständig. Für die Osterfesttage gab es darum eine Anleitung, um einen Ostergottesdienst, eine Wort-Gottes-Feier, zuhause feiern zu können. Dazu dienten auch die Impulse zu den vergangen Ostersonntagen. Für diesen Sonntag findet sich eine Anleitung und ein Impuls zum Evangelium am Ende dieses Textes.

Die Antwort auf die Frage am Anfang „Wort statt Brot?“ lautet natürlich: Wort und Brot. Wir benötigen beide Begegnungsmöglichkeiten (und andere, z.B. Gegenwart Jesu im Nächsten).
Wichtig ist die Verlebendigung der Zusage Gottes: Ich bin bei Euch!

Hans Döink
 
Veröffentlicht: 24.04.2020



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