Impuls am Abend

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!

„Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“ Diesen Ausspruch kennen viele Menschen. Womöglich sind Ihnen diese Worte auch schon einmal über die Lippen gekommen. Auf Vieles trifft diese Redewendung zu: Da finden aktuell keine Erstkommunionfeiern statt. Die Kommunionkinder und Familien sind enttäuscht, zeigen zugleich aber auch großes Verständnis. Wo sollte man auch feiern, wenn Lokale geschlossen sind. Die Feier der Firmung für die jungen Christen ist abgesagt. Brautpaare überlegen, die kirchliche Trauung und das Hochzeitsfest zu verschieben. Menschen mit großem Freundes- und Bekanntenkreis, die in diesen Tagen sterben, können nur im engsten Familienkreis beerdigt werden. Viele geplante Veranstaltungen, auf die man sich zudem gefreut hat, werden abgesagt, wie Citylauf, Schützenfest, Urlaub, Wallfahrt, Geburtstagsfeiern…

Das Jahr 2020 nimmt einen ganz anderen Verlauf als gedacht. Hier bewahrheitet sich das Wort „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“ Diese Erfahrung ist spätestens jetzt wohl niemandem fremd. Das Leben lässt sich letztlich nicht planen. Was der Mensch unbedingt möchte, bekommt er nicht; was er womöglich niemals wollte, wird zum Glückfall; manchmal – wie jetzt – stehen wir vor schier unerträglichen Herausforderungen. Das geht jedem und jeder so. Entscheidend ist, wie ich damit umgehe. Ohne Frage ist es erst einmal enttäuschend. Über die Enttäuschung von abgesagten Festen und ausfallenden Veranstaltungen kann ich nicht hinweggehen. Darin verharren sollte ich aber auch nicht. So wie etwas, das ich eigentlich nicht wollte, sich zum Glückfall entwickeln kann, so kann es sein, dass ich dem Unvorhergesehenen Sinn geben kann. Ein Niederrheiner, wie ich einer bin, meint - mit Hanns Dieter Hüsch gesprochen - auch: „Wer weiß wofür es gut ist.“

Noch ist es zu früh, der jetzigen Krise als Fazit Positives abzugewinnen, wie z. B. eine gewisse Entschleunigung, oder dem nachzugehen, was wir alles lernen, neu oder wieder entdecken. Mit dem Wort „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“ wird mir wieder einmal bewusst, dass ich mein Leben nicht in der Hand und Alles nicht im Griff habe. Es gibt und bleibt das Unvorhergesehene, das Unwägbare. Und dies macht mich bisweilen so dann und wann etwas bescheidener, demütiger…

Wer weiß, was heute Abend noch Überraschendes passiert…

Rafael van Straelen
Veröffentlicht: 22.04.2020




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