Impuls zur Auferstehung - Melanie Rossmüller

Liebe Gemeinde!
In der Emmausgeschichte gibt es Momente, die verwirrend und gleichzeitig schön sind. Momente, die uns stutzig machen und staunen lassen. Es ist ein Moment, in dem Verzweiflung und Hoffnung miteinander unterwegs sind. Kommen Sie!  Gehen wir zusammen ein Stück mit den Emmaus- Jüngern. Stellen Sie sich vor, wie sie nebeneinander hergehen und versuchen, das Unbegreifliche in Worte zu fassen? 
Mitten in ihren Gedanken schließt sich Jesus den beiden an.
Da blieben sie traurig stehen. Völlig verständnislos müssen sie Jesus angeguckt haben.
Dieser Moment, wenn du vor lauter Bäumen den Wald nicht siehst. Es war, als würden ihnen die Augen zugehalten: Sie erkannten ihn nicht.
So sehr hat es sie gefangen genommen, bewegt, traurig gemacht, was sie in Jerusalem in den letzten 72 Stunden erlebt hatten. 
Sie fangen an Jesus zu erzählen, was mit ihm passiert ist. Was für ein amüsanter Moment eigentlich. Kaum vorstellbar, dass Jesus nicht gelächelt hat. Aber er bleibt ernst. Kleopas (wenigstens den Namen des einen Jüngers erfahren wir) und der andere erzählen Jesus was in Jerusalem passiert ist.
Es gibt so viele Gründe zu verzweifeln, zu glauben, dass die ganze Sache mit Jesus nur ein frommer Wunsch ist. Eine schillernde Seifenblase, die dann aber doch zerplatzt wie halt alle Seifenblasen. Aber diese Seifenblase ist eine besondere .Sie kennen Seifenblasen, sei es noch selber aus Kindheitstagen oder wenn Sie mit ihrem Kind/ Enkel mit Seifenblasen spielen. Diese leuchtenden Augen der Kinder. Ich finde, da spiegelt sich die Emmaus- Geschichte wieder. Für einen kurzen Augenblick kann man etwas Wunderbares fassen. Dieses Wunderbare zerplatzt dann schnell wieder. Aber was bleibt, sind die schönen Erinnerungen Gedanken und Gefühle. So ähnlich können sich Kinder vielleicht auch unseren Glauben vorstellen – als etwas Wunderbares, was aber leider nicht mit den Händen zu fassen ist.       
Es ist kurios, aber die Jünger haben ihre Hoffnung auf Jesus verloren. In diesem Moment der größten Hoffnungslosigkeit ist Jesus trotzdem da und redet mit ihnen. Sie erkennen ihn nicht. Im Grunde sind sie dabei diesen Moment zu verpassen, weil sie woanders hinschauen, nämlich in die Vergangenheit!  Jesus ist da. Er hat versprochen bei uns zu sein. Und er ist es auch. Gerade in den Situationen, wo wir glauben, dass er am Weitesten entfernt ist, steht er genau neben uns. Wir können ihn diesen Moment nur nicht sehen.  
Ein zweiter schöner Moment in dieser Geschichte!  Die Jünger erreichen das Dorf, sie biegen in eine Straße ein und Jesus tut so, als ob er weitergehen möchte. Was machen die Jünger? Sie rufen Jesus zu sich. „Du da, bleibe bei uns! Es ist schon fast Abend, der Tag geht zu Ende! Da begleitete Jesus sie hinein und blieb bei ihnen. Als er dann mit ihnen am Tisch saß, nahm er das Brot, dankte Gott dafür, brach es in Stück und gab es ihnen. DA (in diesem Moment) wurden ihnen die Augen geöffnet und sie erkannten ihn!!!!“ Was für ein MOMENT? Jetzt mal ehrlich. Wir erwarten Gottesmomente überall, nur nicht, oder nur selten in den kleinen Begegnungen mitten in unserem Alltag. Wir erwarten, dass Gott uns begegnet, wenn wir die Bibel lesen, im Gottesdienst sitzen, überhaupt, wenn wir in der Gemeinde sind. Die Emmaus- Geschichte ist so eine Story, wo man ganz oft denkt: „Ey, jetzt müssen sie es doch merken!“ So als ob diese Jesus-Geschichte sagen will: Aufpassen! Dies ist der MOMENT! Er begegnet uns eben nicht (nur), wenn wir zusammen oder alleine singen, beten, Bibellesen, kurz: wenn wir ihn erwarten.  Nein, gerade in gewöhnlichen Momenten unseres Alltages. DIESER MOMENT könnte überall sein und er kann jederzeit passieren! 
Das fantastische ist doch: Die beiden haben gedacht, sie laden einen x beliebigen, bestimmt ganz netten, geselligen Menschen ein, aber es entpuppt sich als Ihr „Gott-mitten-unter-uns“- Moment! 
Ein letzter, kurzer Punkt: Die Geschichte der Emmaus- Jünger wird jetzt ein wenig skurril, denn in dem Moment, wo sie Jesus erkannt haben, verschwindet er. Aber dieses Mal ist es anders, als noch vor wenigen Stunden. Sie merken: „Hat nicht unser Herz gebrannt, als wir mit ihm unterwegs waren!“ Auch als wir noch nicht wussten, wer er ist. Was so viel heißt wie: „Wir wussten es, ohne es wirklich zu wissen!“ Er war da, ohne, dass sie es wahrgenommen hatten. Und so ist es jetzt auch noch! Ganz anders als noch am Morgen, als die Hoffnungslosigkeit sie aus Jerusalem weggehen lies, wollten sie jetzt unbedingt zurück. Die ganzen 11,5 km, die Emmaus von Jerusalem entfernt war, wieder zurück laufen. Mit Sandalen- auf steiniger, staubiger, jedenfalls nicht geteerter Straße. Die beiden müssen schon sehr überzeugt gewesen sein, dass es sich lohnt, ihre Erfahrung mit den Anderen zu teilen. Es war ein riesiges Hallo! Hier steht: „Man empfing sie mit den Worten: „Der Herr ist tatsächlich auferstanden!“ und die Emmaus-Jünger vermutlich so: „JA und ihr glaubt nicht, wie sehr wir das bestätigen können!“ Dieses Erlebnis wiederzugeben, war mit Sicherheit einer der Momente in ihrem Leben.
Denn DIESER MOMENT bedeutete die Ewigkeit für sie.  Letztlich geht es darum, dass jeder Augenblick, jedes noch so kleine Zeitfenster, jeder Moment ein Gottes-Moment sein kann. Dafür muss es nicht perfekt sein, vielleicht darf es dafür sogar ganz fürchterlich sein. Die Emmaus-Jünger jedenfalls hätten am Morgen mit Sicherheit nicht gedacht, dass alle Traurigkeit am Abend verflogen sein würde. 
Liebe Gemeinde, wir wünschen Ihnen und uns allen, dass wir durch dieses Evangelium empfindsamer werden für die besonderen, für die wirklich wichtigen Momente in unserem Leben, und dann voller Freude unsere Mitmenschen daran teilhaben lassen.

Ihre Pastoralreferentin Melanie Rossmüller
 
Veröffentlicht: 15.04.2020




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