Impuls zur Auferstehung - Pfr. Wietholt

„Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden…“ – Und darüber, dass jetzt einer, der offensichtlich nur geschlafen hat, wieder wach geworden ist, soll ich mich wahnsinnig freuen… Ist es das? Bestimmt nicht! Und auf keinen Fall das, was Ostern meint. 
Menschen sind nicht an Dingen interessiert, an denen sie selbst nicht beteiligt sind. Und was hat das Leben von Menschen mit plötzlich offenen Gräbern und erwachten Helden zu tun? Gar nichts! Dann klingt die Aussage von einem Leben nach dem Tod allenfalls, wenn überhaupt, wie eine Vertröstung. Und die kann niemand gebrauchen. 
Für mich muss Ostern erfahrbar werden, vielleicht so: das Leben hier wandelt sich zum Guten; vermutlich eher in ganz kleinen Dingen und kleinen Schritten – aber es wandelt und verändert sich. Und das geschieht nur dann, wenn ich selbst zur Wandlung und Veränderung bereit bin, beginne, diese Welt, und mich selbst, mit einem österlichen Blick wahrzunehmen. 
Kann mir Jesus mit seiner Lebensbotschaft dabei helfen? Ja! Wenn ich in seiner Spur und nicht in meiner Ego-Spur bleibe, die in Wirklichkeit gar keine Veränderung zulassen will.
Wo finde ich Jesus, wenn ich ihn denn tatsächlich mit seiner Botschaft suche? Bestimmt nicht dort, wo es um den Tod geht: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten, wird mir gesagt.


Und das bedeutet: das Grab ist kein Ort zum Leben, und unser Leben ist kein Gang zum Friedhof. 
Das Leben ist anderswo. Wo denn? Da, wo die Liebe ist. Und dort finde ich auch Jesus. Wirkliche Liebe lässt keinen im Tod. Sie ist grenzenlos – über den Tod hinaus. 
Das Leben und die Liebe gehören zusammen. Das eine folgt aus dem anderen.
Und selbst das Kreuz und der Tod können die Liebe nicht auslöschen. Aber die Liebe, kann sie das, Kreuz und Tod auslöschen? Nein, sie kann es nicht. Wer das glaubt, der wird die österliche Spur im Leben nicht entdecken.
Jesus lebt nicht, weil sich Menschen am offenen Grab an ihn erinnern. Es ist genau umgekehrt: Wir können österlich leben, weil er sich in Erinnerung bringt. Er will da sein, zu uns gehören, mitten in unserem Leben. 
Davon lebt unser Christsein, unsere Kirche. Wir feiern sein Gedächtnis. Aber das ist mehr, als sich nur fromm zu erinnern.
Und er ist da! In einem Stückchen Brot, das wir teilen. In der Gemeinschaft derjenigen, die ihn miteinander teilt. Und die ihn auch in denen erkennt, die uns brauchen. 
Auferstehung ist dahin zu gehen, wo die Liebe ist. Mehr Beteiligung geht nicht!
Ihr Pastor Gerhard Wietholt

 
Veröffentlicht: 11.04.2020




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