Ostergruß von Pfr. van Straelen im BBV

Liebe Bürgerinnen und Bürger!

Jeden Abend erlebe ich mit Blick aus dem Pfarrhaus auf den Liebfrauenplatz Karfreitagsstimmung: Der Platz ist leer, kaum Verkehr auf der Langenbergstraße, Lokale geschlossen, nur ganz vereinzelt sind Menschen unterwegs. Höre ich sonst Gruppen im Vorbeigehen erzählen, scherzen, lachen, so herrscht nun Stille. – Karfreitagsstimmung. In diesen Wochen ist angesichts der Corona-Pandemie das Leben in unserem Land eingeschränkt, wie gelähmt oder abgestorben. So ist in manchen Medien oder Gesprächen zu vernehmen, Ostern falle in diesem Jahr aus. Dem ist nicht so: Ostern fällt nicht aus! Ostern hat längst stattgefunden mit der Auferstehung Jesu von den Toten, damals vor fast 2000 Jahren. Das Leben hat längst über den Tod gesiegt, das Licht über die Finsternis, das Vertrauen über die Angst. Gott hat sich längst als Gott des Lebens erwiesen durch die Auferweckung Jesu vom Tod. Diese Welt gibt es nicht ohne Tod. Auch das ist eine Wahrheit. Die aktuelle Corona-Pandemie kann aber nicht gedeutet werden als Strafe Gottes, wie manche es meinen. Gott hat diesen Jesus von Nazareth aus dem Tod gerettet und zum neuen Leben geführt. Diese Tatsache ist unbegreiflich, für den menschlichen Verstand nicht einzuholen. Dass die göttliche Liebe das Leben des Menschen im Tod bewahrt und zu einem neuen, ganz anderen Leben verwandelt, das zeigt mir die Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling. Deshalb ist auch an der „Himmelfahrt“-Station des Kreuzweges in der Liebfrauenkirche ein Schmetterling zu sehen als christliches Auferstehungssymbol. Ostern findet statt – auch in diesem Jahr. Aber eben ungewohnt, ganz anders. Mir fehlt bei der Feier der nicht öffentlichen Gottesdienste, die Versammlung der Gemeinde, auch wenn ich mich mit den Mitfeiernden zuhause am Bildschirm sehr verbunden weiß. Vielen wird fehlen der Besuch in der Familie oder Gottesdienst in der Kirche. Ein solches Osterfest war noch nie, denn diese Corona-Krise lässt sich mit Kriegszeiten nicht vergleichen. – Die Jünger und Frauen damals am Ostermorgen in Jerusalem erleben etwas ganz Ungewohntes und Neuartiges. Ihr Freund, der gekreuzigte Herr, war bei den Toten nicht mehr zu finden. Die Boten der Auferstehung, die Engel, sagen zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht!“ Diese Zusage ist für mich an diesem ungewöhnlichen Osterfest die Botschaft: Fürchte dich nicht! Der österliche Mensch muss sich in seinem Leben nicht von Angst leiten lassen, sondern darf hoffen und kann vertrauen. Denn Gottes Liebe ist stärker als der Tod. Das Leben siegt. Auch angesichts des Corona-Virus ist und bleibt das Leben kostbar und schön. In die Karfreitagsstimmung dieser Wochen ein österliches Wort voller Hoffnung und Zuversicht.
Im Namen der Kollegen, der anderen Pfarrer der katholischen Kirchengemeinden im Dekanat wünsche ich allen ein gesegnetes und frohes Osterfest. Frohe Ostern!
Rafael van Straelen
Dechant
Veröffentlicht: 10.04.2020