Impuls am Abend

Berührung & Distanz

Liebe Gemeindemitglieder und Gäste!

In diesen Wochen der Corona-Pandemie sind wir alle gehalten, auf körperliche Distanz zu gehen, um einer Verbreitung des Virus entgegenzuwirken. Keine körperlichen Kontakte: Kein Handschlag, keine Umarmung zur Begrüßung; kein Klopfen auf den Schultern zum Lob. Wie vielen Menschen fällt mir dies nicht leicht, aber es musss ein. Ich bedauere es sehr, gerade bei seelsorglichen Gesprächen wie aus Anlass eines Begräbnisses den trauernden Angehörigen nicht die Hand reichen zu dürfen. 

In den vergangenen Tagen kamen mir aufgrund unserer aktuell erlebten Situation biblische Geschichten in den Sinn, die von Berührung und Distanz erzählen. Manche Menschen heilt Jesus durch Berührung von ihrer Krankheit: Den blind geborenen Jungen, dem er Teig aus Erde und Speichel auf die Augenlider streicht (Johannesevangelium 9, 1-7). Die Frau, die an Blutungen litt, das Gewand Jesu berührt und so geheilt wird, sowie die Tochter des Jairus, die er an die Hand fasst und aufrichtet (Markusevangelium 5). Die Nähe und Berührung eines Menschen kann heilsam sein. (In diesen Tagen wissen wir darum, dass es auch gefährlich ist.)

Es gibt aber auch Heilungserzählungen, da kommt es zu keiner Berührung, da bleibt Jesus auf Distanz. So bei der Heilung des blinden Bartimäus in Jericho. Jesus lässt ihn zu sich kommen, stellt ihm die Frage, was er für ihn (Bartimäus) tun könne. Der Bitte, wieder sehen zu können, entspricht Jesus mit den Worten: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“ (Markusevangelium 10, 46-52). Auch der gelähmte Mann am Teich Betesda, der keine Hilfe hat, wenn das Wasser seine Heilkraft ausströmt und in Wallung gerät, erfährt die Heilung nicht durch Berührung, sondern durch Jesu Wort: „Steh auf! Nimm deine Matte und geh!“ (Johannesevangelium 5, 1-18). Schließlich ist da der römische Hauptmann, der an Jesus herantritt mit der Bitte um Heilung seines erkrankten Dieners. Der Hauptmann weiß genau, dass Jesu als Jude das Haus eines Fremden, einer nichtjüdischen Person, nicht betreten darf. Darum verweist er darauf, dass er dem Wort Jesu vertraut. Jesus schätzt den Glauben dieses Hauptmanns und lässt – ganz aus der Distanz – den Diener gesunden. (Lukasevangelium 7, 1-10) – „Dein Glaube hat dir geholfen!“ So enden viele Begegnungen mit Jesus und Heilungsgeschichten. Jesu Wort heilt, es tröstet, es richtet auf, es macht Mut; es schenkt Zuversicht und Hoffnung.

Kein körperlicher Kontakt, aber soziale Nähe durch Worte, die das Herz berühren; gesprochen durch das Telefon oder bei der Begegnung auf Distanz, geschrieben im Brief, auf der Karte, in der Mail, SMS oder Whats-App Nachricht; mit Kreide auf den Pflasterstein…

Vielleicht gibt es jemanden, dem ich noch heute aus der Distanz ein gutes Wort zukommen lassen kann, das Nähe schenkt…

Rafael van Straelen
Pfarrer
Veröffentlicht: 31.03.2020