Glockenläuten zum Luftangriff auf Bocholt

Am 22. März läuten wie jedes Jahr die Glocken der Innenstadtkirchen um 14:00 Uhr zur Erinnerung an den Luftbombenangriff am 22. März 1945.
Die Stadt Bocholt schreibt zu diesem Ereignis:

"Nach einzelnen geringeren Fliegerangriffen erlebte Bocholt im Zweiten Weltkrieg den ersten schwereren Bombenabwurf in der Nacht vom 31. Mai 1942. Es entstand ein Schaden von 2 133 000 Reichsmark. Überwiegend Brandbomben verursachten verheerende Brände im Bereich Diepenbrockstraße, Stenerner Straße, Rebenstraße, Ravardistraße, Nobelstraße, Schanze und Gartenstraße. Von Anfang des Krieges 1939 bis zum 31. Juli 1943 gab es in Bocholt 617 mal Fliegeralarm und 158 mal eine öffentliche Luftwarnung.Die Tragödie steigerte sich von Monat zu Monat. Im September 1944 wurden die Schulen wegen der Luftgefahr geschlossen. Im Januar 1945 bis Mitte Februar nahm man versuchsweise den Schulbetrieb wieder auf.
Bordwaffenbeschuss behinderte den Eisenbahnverkehr von Bocholt nach Münster, Wesel und Empel. Nachts konnten einige Züge fahren. Tag und Nacht musste die Bevölkerung die Luftschutzkeller aufsuchen. Die totale Zerstörung Bocholts erfolgte am 22. März 1945, einem Donnerstag, von 14.10 bis 14.35 Uhr. Etwa 600 geschätzte Flugzeuge von der britischen Royal Air Force warfen ca. 2 000 Luftminen und Sprengbomben sowie ca. 200 000 Brandbomben ab. Bocholts Innenstadt und einige Randgebiete wurden vollkommen zerstört. Die Stadt brannte lichterloh, Gebäude stürzten ein, Rauchwolken verfinsterten den hellen, sonnigen Tag. Viele glaubten, nun schlüge die letzte Minute ihres Lebens. Es wurde gezittert, geschrieen und gebetet. Als es nach minutenlangen, ohrenbetäubenden Detonationen stiller wurde, gruben sich Überlebende vom Feuer russverschmutzt, teils über fließenden Phosphor, aus den Trümmern. Einige konnten noch Habseligkeiten retten.
Es begann eine Völkerwanderung. Die Obdachlosen und alle übrigen flüchteten zu den umliegenden Bauernschaften, suchten Unterkunft, die meisten verbrachten jedoch die erste Nacht im Gebüsch, im Wald oder unter freiem Himmel. Wahrscheinlich sind die Verletzten nie gezählt worden. Sie wurden teilweise in die Walderholung, im Februar 1945 als Ausweichstelle des Krankenhauses eingerichtet, gebracht. Die Räume in den Baracken reichten nicht aus, Notbetten und Liegen wurden im Freien aufgestellt. Auch im Wald ringsum sowie im Schutzbunker fanden viele Unterschlupf. Die Zahl der Todesopfer war verhältnismäßig gering, da Wochen zuvor schon viele, vor allem Mütter und Kinder, z.B. nach Ostwestfalen und ins Sauerland evakuiert worden waren. Einige Bewohner hielten sich bei Verwandten und Bekannten in den umliegenden Bauernschaften auf.
Vom 22. bis 24. März 1945 mussten 341 Personen durch Luftangriffe und Artilleriefeuer ihr Leben lassen. Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen, Kirchen, öffentliche Gebäude, Geschäftshäuser und Fabriken boten größtenteils ein einziges Trümmerfeld. Die Wasser- und Stromversorgung fiel aus. Es gab keine Versorgungsgüter, die Bäckereien waren fast alle getroffen. 85% der Stadt Bocholt wurden verwüstet. Diese ausweglose Situation war für Bocholt die Stunde Null. Das Leben blieb aber nicht stehen. Diejenigen, die überlebt hatten, wollten weiterleben.
So wurde die Stunde Null gleichzeitig die Geburtsstunde für Aufräumungsarbeiten und für den Wiederaufbau." (Text Stadt Bocholt)
Veröffentlicht: 19.03.2020