Karnevalspredigt von Rafael van Straelen

Schwestern und Brüder, ihr müsst nicht erschrecken:
Ich will doch nur Eure Aufmerksamkeit wecken.
Mit einer Tröte ist doch so mancher Jeck dabei
in diesen Tagen der karnevalistischen Narretei.

Ihr hört schon: Ich konnt‘ es einfach nicht lassen,
auch in diesem Jahr die Predigt in Reim zu fassen.
Ich mag halt die Gedanken und Worte bewegen,
bis diese einen Satz in Vers und Reim ergeben.

Diese Tröte, die hab‘ ich am Neutor entdeckt,
- sie hatte gleich meine ganze Freude geweckt -
in dem mit Kostümen vollgestopften Laden,
wo alles für den Karneval ist zu haben.

Jetzt wird wieder geschunkelt, getanzt, gelacht
und was sonst bei den Sitzungen wird gemacht.
Auch heitere Büttenreden, die müssen sein;
den Rednern fällt gewiss viel Lustiges ein.

Es gibt genug in Kirche und Politik zu kritisieren,
wie die Damen und Herren da oben rumlavieren,
angesichts der Krisen und Probleme hohe Zahl
kommt vieles auf die Schippe beim Karneval.


Als Christenmensch kann ich nur schwer erfassen,
worüber Kardinal Woelki Ärger musste ablassen:
Beim Synodalen Weg sei die Hierarchie verkommen,
als Kardinal habe er nicht den richt‘gen Platz bekommen.

Weil Rang und Titel wohl nichts mehr bedeuten,
musste er laufen und sitzen bei Laien Leuten.
Erinnert sei so ein Mitra tragender Kirchenmann
an die Weisung des Apostels Paulus dann:

Er schreibt: In Jesus Christus sind alle gleich:
Egal ob Mann oder Frau, ob arm oder reich,
ob Römer oder Grieche, ob Sklave oder frei.
Zu Christus gehörend ist einzig entscheidend dabei.

Mit Blick auf des Herrn Woelkis Ärger und Pein
fällt mir ein wohl passender Vergleich hier ein:
Er ist wie ein Mann, der seinen Ärger lässt raus
über das Tapetenmuster in einem brennenden Haus.

Scheint nicht zu ahnen, was die Stunde geschlagen
in der katholischen Kirche in den heutigen Tagen.
Meint immer noch: Weil er ist Bischof und Kardinal,
gelte sein Wort mehr als der anderen. Wie fatal!

Statt auf dem Kopf eine prächt‘ge Bischofsmütze
braucht‘s im Kopf mehr intellektuelle Grütze.
Nicht Rang und Titel bringen Überzeugung bei,
vielmehr müssen überzeugende Argumente herbei.


Doch was red‘ ich von denen in Kirche dort oben.
Die in der Politik sind heuer auch nicht zu loben.
Regierungsbildung in Thüringen völlig vergeigt
und nun man seinen Kopf in den Sande neigt.

Die AfD, die lacht sich ins Fäustchen und schlapp,
weil mit der Finte Falle Täuschung hat es geklappt.
Nach der langen Suche nach Vorsitz in der SPD
derangiert sich nun die CDU mit Krach und Weh.

Merkel, von der Leyen und AKK abgemeiert,
so ist in der CDU die Frauenpower ausgeleiert.
Aktuell stehen vier Herren im Ring zur Wahl;
und Söders Markus als Kanzler der 5. an Zahl.

Lindner und Kubicki, die Zwei von der FDP,
denen tat die Kemmerich-Wahl erst gar nicht weh.
Gewählt zu sein mit AfD ist gar nicht schlimm,
Hauptsache an die Macht. Es zählt der Gewinn.

it Demokratie und Amt so zu spielen ist nicht famos,
das ist schlicht und gänzlich verantwortungslos.
Wir müssen nicht wie Brandt mehr Demokratie wagen;
wir müssen sie heute schützen vor üblen Schaden.


Doch bevor ich mich rege noch weiter auf,
soll die Predigt nehmen einen anderen Verlauf.
Es sei der Blick auf der Bibel Botschaft gelenkt,
denn in ihr ist uns Gottes Wort geschenkt.

Das Evangelium heute, so hoch und so her:
Die Worte Jesu sind doch richtig schwer.
Das kann der Mann nicht haben so gemeint,
dass als Jünger man hat zu lieben den Feind.

Ja, Ihr Hörende, Ihr staunt nicht schlecht:
Erst Feindesliebe macht den Jünger echt.
Lässt man Christen und andere Leute raten,
was ist christlich Gebot und sind gute Taten.

Dann höre ich: Christlich ist mit allen Trieben
Gott, sich selbst und den Nächsten zu lieben.
Christlich sei Nächstenliebe zu verrichten.
Doch dieses gilt nicht allein, mitnichten!

Die Nächstenliebe steht nicht im Dekalog.
Doch ist sie zuerst den Juden gegebenes Gebot.
In der ersten Lesung haben wir es vernommen:
Von Gott haben es die Juden gesagt bekommen.

Sie sollen dies tun, um alle heilig zu werden;
wie Gott im Himmel es ist, so sie hier auf Erden.
Sie sollen nicht rächen, nicht nachtragend sein;
und im Herzen ohne Hass gegen den Bruder sein.


Und genau dies greift der Mann aus Nazareth auf.
Er hat gleich einige Beispiele parat und drauf:
All denen, die euch doch nur noch hassen,
müsst ihr einfach Gutes angedeihen lassen.

Wer euch und euer Leben meint zu verfluchen,
für den sollt ihr Gott um den Segen ersuchen.
Wenn einer euch schlägt, werdet nicht bange,
haltet sie ihm ruhig hin, die andere Wange.

Ganz egal, um was euch ein Mensch bedrängt,
es ist besser, wenn ihr’s ihm gleich schenkt.
Wer dich bittet: Geh mit mir ‘nen Schritt!
Mit dem geh‘ gleich ‚ne zweite Meile mit!

Liebt jedes Wesen, helft und leiht jedermann.
Denn alles andere ist doch nur Sünder Kram.
Für die Verfolger beten und seine Feinde lieben,
nur so – meint Jesus – lässt der Hass sich besiegen.


Schwestern und Brüder, hier zeigt sich schnell,
die Worte des Herrn sind ganz hoch aktuell.
Immer mehr werden Feindbilder aufgebaut,
wird Hass gesät und dabei lange weggeschaut.

Juden und Palästinenser sind Feinde im Streit;
seit Menschengedenken und Jahrzehnten entzweit.
Für Johnson ist Feind die Europäische Union.
Mit dem Brexit treibt er voran die Eskalation.

Der amerikanische Präsident mit oranger Frisur
gebiert sich als Feindbildmacher mit Bravour:
Per Twitter einen anderen als Feind deklariert,
haut er verbal auf ihn drauf – ganz ungeniert.

In vielen Staaten die Gesellschaft gespalten, entzwei:
USA, Russland, Polen, Italien, Ungarn, die Türkei,
China und Großbritannien. Sie alle sind gespalten,
weil Regierende trennen statt zusammen zu halten.


Auch unser Land ist da nicht zum Besten bestellt;
oft gehen negative Schlagzeilen um die Welt:
Mit Hass und fremdenfeindlichen Parolen
weiß die AFD bei Wahlen Stimmen zu holen.

Hier und da ein rechtsradikales Wort gesprochen;
so wird der Damm „Das geht nicht!“ gebrochen.
Schnell heißt es dann: So war es nicht gemeint,
wie es verstanden wurde oder anderen erscheint.

Doch ausgesprochen ist der Gedanke jetzt da;
wird so salon- und hoffähig, leider fürwahr.
Die ganze rassistisch, neonazistische Pöbelei
ist in unserem Land aktuell und nicht vorbei.

Da wird von Rechten Hass und Gewalt gesät,
und trotz der Vorfälle dies erkannt viel zu spät.
Mölln, Hoyerswerda, Köln, Halle und Solingen,
diese Orte Gewalttaten in Erinnerung bringen.

Walter Lübke, der Kasseler Regierungspräsident,
war als Politiker sehr engagiert und prominent
in der Integration von Menschen woanders her.
Für dies musste er zahlen mit dem Leben schwer.

Gegenüber Fremden wird die Angst geschürt,
obwohl ihnen gleiche Würde und Respekt gebührt.
Ganz schnell kann Hass in Gewalt übergehn;
wir haben es diese Woche in Hanau gesehn.

Da lässt sich einer leiten von üblem Gedankengut.
Und mit Zeit gebiert sie Gewalt, die braune Brut.
Doch Juden, Muslime, Menschen anderer Nationen
möchten wie wir hier doch nur in Sicherheit wohnen.


Das Gift des Hasses erstarkt, greift um sich um.
Was kann der Mensch, ja Christ dagegen tun?
Hier ist des Herrn Jesu Wort genau zu beachten
und nicht nach Hass, sondern Liebe zu trachten.

Denn nur durch Liebe lässt sich durchbrechen
die Spirale von Feindschaft, der Hang sich zu rächen.
Hass wird durch Hass nur noch mehr genährt.
Besser ist, er bleibt Gegnern und Feind verwehrt.

Denn das nur wollen die Rechten und Radikalen,
dass wir Gewalt mit Gewalt, Hass mit Hass bezahlen.
Damit so Freiheit, Recht, Demokratie und Frieden
in unserer Welt werden zerstört und aufgerieben.

Hier gilt: Unseren Hass werden sie nicht kriegen.
Sie werden unsere Demokratie nicht besiegen.
Wir stehen zusammen und Gott stehe uns bei,
mutig entgegenzutreten der Hass-Treiberei.

So werden wir die Welt nach Gottes Willen gestalten,
und einst vom himmlischen Vater den Lohn erhalten.
So hoffe ich, dass die Worte sich prägen Euch ein
und Euch Maß und Richtschnur im Handeln sei‘n.


Dies Euch hier zu sagen war mir ein Anliegen.
Ich konnte es wegen Karneval nicht verschieben.
Mit Freude dürfen wir als Jecken feiern Karneval;
mit Frohsinn auch weiterfeiern hier im Kirchensaal.

So: Mit Tröte mach‘ ich noch einmal Krach.
Jetzt seid Ihr wohl alle wieder richtig wach.
Genug von Vers und Reim im Kirchenbau.
Ich sage nur noch: AMEN. Und: Helau!

Rafael van Straelen, Pfarrer

 
Veröffentlicht: 22.02.2020




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