Bocholter Missionar Pater Heinz Ernst verstorben

Wie die Pfarrei erfahren hat, ist Pater Heinz Ernst am Sonntag, 31. März in Windhoek / Namibia verstorben.

Pater Heinz Ernst wurde am 11.12.1940 in Bocholt geboren.  Er trat als Bruder in die Kongregation der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria ein und begann später das Studium in Cedara, Südafrika, mit dem Ziel, Priester zu werden. Nach einer Demonstration gegen die Apartheid, wurde er erst in Haft genommen, und anschliessend ausgewiesen. Pater Heinz setzte sein Studium in Lantershofen fort und wurde am 25.8.1989 in Mariengarden, Burlo-Borken zum Priester geweiht. Er ging wieder zurück nach Namibia und war zuerst als Kaplan in Windhoek tätig, darauf 1992 in Grootfontein und Mariabronn als Missionar, wurde 2004 nach Otjiwarongo versetzt. Nach einiger Zeit in der Missionsstation St. Michael bei Outjo, kam er nach Döbra. Zuletzt wohnte  er im Altenheim der Oblaten in Pionierspark, Windhoek.  Nach einem Sturz musste er ins Krankenhaus gebracht werden, wo er am Sonntag, 31. März nachts still einschlief.

Pater Heinz war vielen Gemeindemitgliedern als Missionar in Namibia bekannt. Er wurde von diversen Gruppen aus Bocholt bei seinen Projekten unterstützt. Aus dem Gemeindeteil Liebfrauen zum Beispiel durch den Basar an der Liebfrauenkirche. Einige Gemeindemitglieder reisten auch nach Namibia und haben die Projekte vor Ort unterstützt.

Wir beten in allen Messen am Wochenende für Pater Heinz Ernst. Herr, lass ihn ruhen in Frieden. Amen!

Ein Bericht von Pater Heinz erschien im Weihnachtspfarrbrief 2005:

Meine lieben Freunde!

Es ist unglaublich, wie schnell ein Jahr vergeht und doch stehen wir bereits vor dem Weihnachtsfest und ebenso am Beginn eines Neuen Jahres. Das letzte war ein ereignisreiches Jahr, das nicht nur Leid und Kummer brachte, sondern auch viel Freude, Glück, Liebe und Einsatzbereitschaft. Es hat mich erneut darin bestärkt, dass wir zusammen gehören. Verbindungen wurden weiter vertieft und armen Familien und vor allem Kindern konnten wir mit eurer Hilfe unsere Unterstützung schenken. Inzwischen sind es mehr als 50 Kinder und dadurch Familien, die durch euch neuen Lebenswillen erhielten und ermutigt wurden, ihr Leben neu zu gestalten. Wir konnten auf der Station Maria-bronn die Verbindung zur Schule und zum Internat ausbauen. Durch finanzielle Hilfe und durch die von euch verschickten Pakete, die unseren Kindern und den armen Familien zu gute kamen, aber auch an alte Menschen weitergegeben wurden, haben wir manche Elendssituation abgeschwächt und zum Teil beseitigt. Als Europäer geht mir die Verbesserung nicht schnell genug. Wir haben uns jedoch daran zu erinnern, dass wir in Afrika sind. Ein Afrikaner benötigt mehr Zeit als wir Europäer, eine Situation zu erkennen und zu verstehen. Vieles ist nicht selbstverständlich und darum werde ich mich auch nicht entmutigen lassen, wenn nicht alles so ganz nach Plan geht.

Weiterhin sind in unserer Schule und in unserem Internat zu viele Kinder. Es sind um 300; mal mehr mal ein paar weniger. Die Klassen sind zu groß, die Spielmöglichkeiten außerhalb der Schule nicht genügend. Ein Kind müsste am Nachmittag beschäftigt werden, damit es nicht auf dumme Gedanken kommen kann. Das Lehr- und Aufsichtspersonal ist leider nicht genügend ausgebildet. Um dem entgegen zu treten, versuchen wir Anschauungsmaterial und Hilfsmittel auch für das Lehrerkollegium zu bekommen. Es lohnt sich, dieses zu tun. Der Beweis ist erbracht, dass der Boden fruchtbar ist.
Nun bin ich schon im 15. Jahr auf der Missionsstation Mariabronn. VieleVerbesserungen, die wir erwirken konnten, entstanden durch eure Hilfe von Deutschland aus. Leider kann man nicht alles umformen und wir müssen damit Rechnung tragen, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die unsere langjährigen Erfahrungen in Europa nicht teilen können. Es ist aber eine Lernbereitschaft auf beiden Seiten vorhanden. Die Zeit, in der man dachte, dass wir f ü r den Afrikaner etwas tun wollten, ist vorbei. Wir müssen uns darin üben, zu denken, dass wir m i t den Afrikanern arbeiten wollen. Dazu gehört natürlich auf unserer Seite die Bereitschaftft herauszufinden, was sie denn eigentlich benötigen.

Wie ihr wisst, habe ich hier im Raume Grootfontein mehr zu tun, als nur den Einsatz auf der Missionsstation selbst zu leisten. Wir haben eine Gemeinde, die ziemlich rege ist. Unsere Kirche ist auf alle Fälle jeden Sonntag voll und zwar so, dass wir nicht einmal genügend Sitzplätze haben. 4 bis 5 mal im Jahr sind Taufgottesdienste in der Muttergemeinde in Omulunga. In der St.-Karl-Lwanga-Kirche werden jedes mal 20 bis 25 und mehr Kinder getauft. Kommunion- und Firmvorbereitungen werden das gesamte Jahr hindurch angeboten bis der große Tag anbricht. Die Aufgaben für den Priester erstrecken sich nicht nur auf den Kirchenraum, sondern es gibt in unserer Gemeinde viele alte und kranke Menschen, die um Hilfe bitten. AIDS macht auch vor unseren Leuten nicht Halt. Unterernährt und hinfällig sind vor allem viele Kinder, deren Eltern starben. Waisenhäuser sind unbekannt. Familien nehmen zu ihren eigenen Kindern Waisenkinder auf. Dadurch wird das Einkommen der Hilfseltern, das oft klein ist, noch mehr strapaziert und man sucht Hilfe bei der Kirche. Hier schalten wir  Selbsthilfeprogrammeein und erzielen auch ganz gute Ergebnisse.

Mein Pfarrbezirk endet nicht auf Grootfontein, sondern erstreckt sich auf mehr als zwölf Farmen, deren Menschen wir besuchen, weil die Entfernungen bis zu unserer Kirche wirklich zu weit sind. Die ärmste Bevölkerung sind unsere SAN – die im Volksmund spottend Buschleute genannt werden. Es sind ganz liebe Menschen, nur weit entfernt von uns und angewiesenauf Hilfe guter Leute.
Die Fahrt zu ihnen erstreckt sich meist über mehrere Tage, weil der letzte Platz, auf dem sie wohnen, 350 Kilometer entfernt liegt. Ich nehme meistens viele Pakete Kleidung für Kinder und arme Familien, vor allem auch für die alten Menschen mit. Leider haben wir nicht genügend freiwillige Helfer und Helferinnen, aber doch einige, die ihre Kraft dann zur Verfügung stellen.

Euch in der Heimat, gilt der größte Dank, denn ohne euch in der Heimat hätten wir unsere Aufgaben nicht erfüllen können. Bitte lasst euch nicht entmutigen. Den Kindern, die ihr unterstützt, geht es gut. Sie sind glücklich über die kleinste Kleinigkeit. Den Familien konnte ich durch die verschiedenen Geldüberweisungen manchen Engpass überwinden helfen. Schulgeld, Schulkleidung, zuweilen Schuhe, Schulutensilien, Schreibwaren, Seife und vieles mehr konnte ich für sie anschaffen. Ich kann nur sagen, ich danke einem jeden von euch und bitte:

denkt auch in Zukunft an uns.

Für heute erst einmal von Herzen Dank! Gott möge euch eine gute Festzeit schenken und auch euch allen das geben, was ihr im Augenblick notwendig habt. Ich weiß, dass ihr schenkt, ohne einen Lohn zu erhalten, aber unser Gebet und unsere Verbindung bei der heiligen Messe ist euch gewiss. Im Weihnachtsgottesdienst werden wir mit unseren Kindern und allen Familien besonders an euch denken. Jesus, den wir in der Krippe als Kind verehren, ist für uns alle geboren, für euch und auch für unsere armen Menschen hier. In herzlicher Verbundenheit bin ich auch weiterhin mit allen Schwestern von der Station und den Mitarbeitern in den Gemeinden und unseren Kindern euer dankbarer

Pater Heinz aus Namibia.
Veröffentlicht: 05.04.2019