Gedenk- und Mahnzeichen KAB-Kreuz an der Liebfrauenkirche

Das „jüngste“ Kreuz auf dem Pfarrgebiet von Liebfrauen, ein Werk des Künstlers Max Hundt (Ahaus), mit einem lebensnahen Korpus des leidenden Christus wurde am 28. September 1986 vom Bezirksverband Borken der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) errichtet. Im gegenüberliegenden KAB-Vereinshaus St. Paulus (heute ist hier u. a. das Pfarrbüro Liebfrauen)
befand sich zwischen 1921 und 1987 das KAB-Bezirkssekretariat.
Das Kreuz ist ein Mahn- und Gedenkzeichen und erinnert an die Bedrängungen der KAB durch die Nazis. 1934 wurden KAB-Mitglieder, die ihrem Verband treu blieben, nach dem sog. Doppelmitgliedschaftsverbot durch die NS-Organisation „Deutsche Arbeitsfront“ arbeitslos. Verbandspräses Dr. Otto Müller starb am 12. Oktober 1944 in Gestapo-Haft, Verbandssekretär Bernhard Letterhaus und Schriftleiter Nikolaus Groß wurden nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet, Verbandsvorsitzender Josef Joos war von 1941 – 1945 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Der Duisburger KAB-Sekretär Gottfried Könzgen wurde am 15. März 1945 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet. Josef Jakob, 1921 - 1953 KAB-Bezirkssekretär in Bocholt, war 1933 und 1935 mehrwöchig in Gestapo-Haft.

Die Grundsteinurkunde des Kreuzes weist auf den weiteren Sinn dieses Mahn- und Gedenkzeichens hin:

Das Kreuz soll ... ein Vermächtnis sein, den Glauben an die Erlösungstat Jesu Christi den Generationen im dritten Jahrtausend durch uns als katholische Arbeiter weiterzutragen.
Wir leben in einer Zeit sinnloser Rüstung wie auf einem Vulkan, das Christentum und alle geistigen Werte schleichen aus unserem Abendland … Mahnung soll das Kreuz sein, damit die  Würde des Menschen bestehen bleibt und kein Ausländerhass entsteht.


Danach gab ein Vortrag des Bundestagsabgeordneten Heinz Seesing (Kalkar) zum Thema „KAB in Verantwortung für die Schöpfung – Gentechnik eine Gefahr für die Menschheit“ Anregungen für die weitere Arbeit der KAB für eine menschlichere Gesellschaft. Das KAB-Kreuz ist auch heute ein öffentliches Zeichen gegen neu emporkommende nationalsozialistische Strömungen und ein Weckruf gegen Experimente am Menschen.

Josef Niebur

Foto: Peter Lücke

Artikel zuerst erschienen im Fasten- und Osterpfarrbrief Liebfrauen
Veröffentlicht: 21.03.2019