Eisenbarth-Orgel, St.-Paul-Kirche

Im Jahre 2015 wurde die Eisenbarth-Orgel im Schwellwerk mit zwei neuen Registern umgebaut. Eine Lade für das Schwellwerk wurde umgebaut, um den Raumforderungen der neuen Register gerecht zu werden.

Das Cimbel 3-fach Register, das sehr obertonreich und spitz klang und somit für die sehr gute Akustik der St. Paul Kirche nicht so geeignet war, wurde in ein Zungenregister Klarinette 8‘ getauscht. Dieses Register stellt eine klangliche sehr tragfähige Ergänzung des Schwellwerks dar.

Die Corna musa, ein sehr weich und füllig klingendes Register, welches jedoch durch Temperaturschwankungen leichter verstimmte und häufig nachgestimmt werden musste,  wurde aus diesem Grund in ein Zungenregister Oboe 8‘ getauscht.

Durch diese Registerzusammenstellung ist es möglich Orgelmusik verschiedenster Epochen darzustellen. So sind Werke der Barockmusik ebenso gut wiederzugeben, wie Werke der Romantik entsprechend der jeweiligen Komponisten.

Disposition: ab 2015

 

I Hauptwerk C–f3


1.

Bourdun

16′

2.

Prinzipal

8′

3.

Flute traversiere

8′

4.

Gemshorn

8′

5.

Oktave

4′

6.

Rohrflöte

4′

7.

Nasart (aus Nr. 8)

2 23

8.

Cornettino I-III

2 23

9.

Oktave

2′

10.

Quinte (aus Nr. 12)

1 13

11.

Superoktav (aus Nr. 12)

1′

12.

Mixtur IV-VI

1 13

13.

Trompete

8′

 

Tremolo

 

 

II Schwellwerk C–f3


14.

Copula

8′

15.

Salizional

8′

16.

Unda maris (ab c0)

8′

17.

Prinzipal

4′

18.

Holzflöte

4′

19.

Rohrquinte

2 23

20.

Flautino

2′

21.

Terzflöte

1 35

22.

Piccolo

1′

23.

Klarinette

1 13

24.

Basson

16′

25.

Oboe

8′

 

Tremolo

 

 

Pedalwerk C–f1


26.

Violon

16′

27.

Subbass

16′

28.

Oktavbass

8′

29.

Gedacktflöte

8′

30.

Choralbass

4′

31.

Posaune

16′

32.

Trompete

8′


Dispositionsanordnung Spieltisch:


 

 

Im gleichen Atemzug wurde eine neue Setzeranlage für 8000 Speichermöglichkeiten eingebaut:

Kompaktsetzer SK 60-S: (8000 Kombinationen)

► mit Setzknopf
► in Blöcke
► Schlüsselschalter: A - B - C jeweils 999 Speicherungen möglich
► Codezahlen: jeweils 999 Speicherungen pro Code möglich
► Sequenzer
► USB-Anschluss für weitere unbegrenzte Speichermöglichkeit


Die damit verbundene Vielzahl der unterschiedlichsten Speicherungen erlaubt es dem Organisten nicht nur die Liturgiebegleitung mit ihren individuellen Ansprüchen vorab zu registrieren, sondern auch die Speicherung einzelner Werke, die mit einem Sequenzer sehr gut durch die breite Taste direkt unter dem I. Manual zu betätigen ist, mit Weiterschaltungen in die nächste Programmierung umzuschalten. So ist jedem Musiker/In die Möglichkeit gegeben persönliche Registrierungen vorab zu speichern. Ebenfalls können Gastorganisten/Innen, Konzertmusiker/Innen eine Fülle von Klang- und Stilrichtungen abrufbar programmieren.
 




Historie:

Der Orgelbau blickt auf eine über 2000jährige Geschichte zurück und gehört – falls er ernsthaft betrieben wird – zu einem der traditionsreichsten Zweige im Kunsthandwerk; sind doch die 3 Grundelemente der Orgel seit ihrer Erfindung durch Pfeifen, das Herstellen eines regulierbaren Winddruckes mittels Gebläse und die mechanisch Steuerung – die Traktur – des Windflusses zu den Pfeifen, bis heute im Prinzip die gleichen geblieben.

Mit dem Einzug der Orgel in die Kirchen wuchsen auch die Ansprüche; sie wurde reicher und größer, hatte einen festen Standort, und damit trat eine 4. Komponente, das architektonische Gestaltungselement hinzu. Nur wenn diese 4 Teile organisch aufeinander bezogen sind, entsteht Harmonie.

Struktur und Eigenheit eines Raumes, sowie die Aufgaben in Literatur und Liturgie bestimmen im Wesentlichen das Klangbild einer Orgel, Auch im Falle von St. Paul in Bocholt haben wir uns bemüht, mit der nötigen Akribie die Voraussetzungen für ein gutes Gelingen zu schaffen.

Die fast zu Gänze aus Stahlbeton mit unsymmetrischen Faltungen gebaute Kirche beeinträchtigt die Hörsamkeit von Basslagen und führt zu einer Überbetonung des Diskants. Bei gut besetzter Kirche reduzieren sich die Nachhallzeiten ganz erheblich.

Es sollte unseres Erachtens keine Orgel entstehen, die einseitig nur eine Stilepoche oder Landschaft zum Vorbild hat, sondern ein Instrument, auf dem das Musizieren mit Werken aller Stilrichtungen Freude macht, den Spieler inspiriert und damit den Bogen über Jahrhunderte spannt bis hin zu kristallinen Architektur als legitimen Ausdruck unserer Zeit.

Die Hauptfunktion der Orgel aber steht im liturgischen Dienst, der ihr vielfältige Aufgaben wie kaum zuvor in der Kirchengeschichte zuweist. Sie tritt nicht in den Dialog zu bestimmten Teilen des Ordinariums wie im Spätmittelalter bis herauf in 18. Jd. Oder gar als „akustische Ikonostase“ zum Priester wie im 19. Jds., sondern ist Stütze des Volksgesanges, dient der Überhöhung der Liturgie und tritt selbständig auf.

Bei Erarbeitung der Disposition wurde demnach auf Grundstimmen, Aliquoten und Zungen besonderen Wert gelegt. Die einzelnen Stimmen wurden in Bauart und Mensurwahl sehr differenziert angefertigt, um einerseits der Raumakustik zu entsprechen und andererseits ein hohes Maß von Eigencharakteristik zu erzielen, das sich aber trotzdem zu einem homogenen Gesamtklang mischt. So sind die wichtigsten gebräuchlichen Bauformen bei den Pfeifen von konisch bis trichterförmig vorhanden.

Um die gemischten Stimmen noch vielseitiger verwenden zu können, haben wir nach Art des italienischen Ripieno Teilzüge entwickelt, die es gestatten, einzelne Chöre der Mixtur sowie des Cornettino für sich allein zu benützen. So ist im Hauptwerk ein lückenloser Prinzipal-Aufbau von 8‘ bis zum 1‘ registrierbar.

Einweihung:
13. Dezember 1987; an der Orgel: Ekkehard Stier Orgelsachverständiger im Bistum Münster
 

Disposition:

 

I Hauptwerk C–f3


1.

Bourdun

16′

2.

Prinzipal

8′

3.

Flute traversiere

8′

4.

Gemshorn

8′

5.

Oktave

4′

6.

Rohrflöte

4′

7.

Nasart (aus Nr. 8)

2 23

8.

Cornettino I-III

2 23

9.

Oktave

2′

10.

Quinte (aus Nr. 12)

1 13

11.

Superoktav (aus Nr. 12)

1′

12.

Mixtur IV-VI

1 13

13.

Trompete

8′

 

Tremolo

 

 

 

II Schwellwerk C–f3


14.

Copula

8′

15.

Salizional

8′

16.

Unda maris (ab c0)

8′

17.

Prinzipal

4′

18.

Holzflöte

4′

19.

Rohrquinte

2 23

20.

Flautino

2′

21.

Terzflöte

1 35

22.

Piccolo

1′

23.

Cimbel III

1 13

24.

Basson

16′

25.

Corna musa

8′

 

Tremolo

 

 

 

Pedalwerk C–f1


26.

Violon

16′

27.

Subbass

16′

28.

Oktavbass

8′

29.

Gedacktflöte

8′

30.

Choralbass

4′

31.

Posaune

16′

32.

Trompete

8′

 

Koppeln:
II/I, I/P, II/P
alternierend für Hand- u. Fußbetätigung

 

Spielhilfen:
Pleno-Tritt an/ab (Prinzipal-Pleno HW + Pedal)

Disposition:
Wolfgang Eisenbarth, Ekkehard Stier, Friedhelm Furtmann, Robert Bußkamp

Prospektgestaltung:
Wolfgang Eisenbarth, Karl-Heinz Rogalla

Technische Auszeichnung:
Maximilian Straub, Peter Kundela

Mensuren:
Wolfgang Eisenbarth

Montage:
Peter Kundela, Peter Schwarzacher, Wolfgang Kasper, Klaus Schulze, Martin Kronawitter, Joachim Buddendick

Intonation:
Ludwig und Wolfgang Eisenbarth, Georg Schmidthuber, Martin Kronawitter

 

Erbauer:

Orgelbau EISENBARTH GMBH
Alte Strasse 62-64
D-94034 PASSAU

 

Technik:

Für die Technik kam selbstverständlich nur die Schleiflade in Verbindung mit mechanischer Ton- und Registertraktur in Frage, die erfahrungsgemäß die beste Klangverschmelung, größte Lebensdauer und genaueste Artikulation für den Spieler aufweist.

Sämtliche Teile sind aus hochwertigen, bewährten Materialien in traditioneller Bauweise gefertigt unter Vermeidung modischer Experimente. Stabiler Wind - eine uralte Forderung an eine gute Orgel - wird durch ein abgestuftes System von Gebläse - Magazinbalg - und einzelnen Ladenbälgen für die Teilwerke erzeugt.


Standort:
Genau überlegt wurde auch die Wahl des Standortes der Orgel und ihre architektonische Gestaltung - sprich Einbindung in den Kirchenraum. Die vorhandene Empore erwie sich von der Grundfläche her als zu klein und hätte überdies ein Aufstellen der Orgel mit direkter Klangabstrahlung zum Kirchenraum nicht ermöglicht.

Nicht zuletzt mit Hilfe des Kirchenchores wurde der Aufstellungsplatz an der rückwärtigen Kirchenwand unter Einbeziehung der Kirche gewählt.
Die Gehäusegestaltung versucht die auf mehrerer Fluchtpunkte zulaufende Linienführung aufzunehmen und so sich in den Thythmus des Raumes einzufügen.
Inder Fensternische neben der Orgel finden Chor und Orchester ihren Platz, sodass Kirchenmusik aller Stilrichtungen zur Aufführung gelangen kann.


Schon gewusst?

►Zahlen und Fakten der Eisenbarth-Orgel, St. Paul
 
Höhe: 7,8 m
Breite: 4,50 m
Tiefe: 1,47 m
Zahl der Pfeifen: 1954 cavon 228 Zungenpfeifen
Längste Pfeife: 4,80 m
Kürzeste Pfeife: 6 Millimeter (Tonlänge ohne Pfeifenfuß)
Volumen der größten Pfeife: 138 Liter Orgelwein
Volumen der kleinsten Pfeife: 0,000012 Liter Orgelwein
Schwerste Pfeife: 62 kg
Register: 32
Teilzüge: 3
Koppeln: 3
Tremulanten: 2
2 Manuale / 1 Pedal: 142 Tasten
Windladen: 4
Winddruck: Vorbalg 100 mm Ws
Großpedal 87 mm Ws
Pedal 80 mm Ws
Hauptwerk 75 mm Ws
Schwellwerk 70 mm Ws
Höchste Tonfrequenz: ca. 13 kHz
Tiefste Tonfrequenz: 64 Hz
Größte Abstraktenlänge: 5,72 m
Materialien: Kiefer, Eiche, Ahorn, Red Cedar
Bootsbaumplatten, Zinn, Bleilegierungen
Gesamtgewicht: ca. 6,5 t
Bauzeit: 4 Monate



Zusammengetragen von Monika Hebing und Peter Möllmann