St.-Agnes-Kapelle am Schonenberg

Entstehungsgeschichte und Nutzung
Schon einige Zeit vor 1447 entstand in Bocholt ein Schwesternkonvent. 1447 kauften die Schwestern am Schonenberg ein Haus, das der hl. Agnes geweiht wurde. Seit ca. 1455 gab es eine erste kleine Kapelle. Da der Schwesternkonvent einen großen Zulauf hatte, wurde 1486 – 1489 die heutige St.-Agnes-Kapelle gebaut. 1512 wohnten hier bis zu 49 Schwestern, die nach der Augustinerregel in strenger Klausur lebten. Das Kloster überlebte die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg und existierte bis zur Säkularisation im Jahre 1803. Neuer Eigentümer wurde Fürst Salm. Seit 1818 wurde Teile des Klosters durch die junge evangelische Gemeinde genutzt, und zwar für die Gottesdienste, zur Unterbringung der ev. Schule und des ev. Pfarrers.

Wegen Umzugs der ev. Gemeinde in die 1901 erbaute Christuskirche, kaufte das 1875 am Schonenberg neu erbaute St.-Agnes-Hospital im Jahre 1898 die St. Agnes-Kapelle. Die Kapelle wurde 1902-1906 für die Gottesdienste des St.-Georg-Gymnasiums zur Verfügung gestellt. Nach der baulichen Verbindung von Kirche und Hospital wurde sie von 1906 bis 1985 als Krankenhaus-Kapelle genutzt.

Der Bombenangriff auf Bocholt am 22. März 1945 vernichtete neben dem Krankenhaus auch die St.-Agnes-Kapelle bis auf die Umfassungsmauern. Am 19. Oktober 1953 wurde das Gotteshaus wiedereingeweiht und stand dem Hospital zur Verfügung. Nach dem Umzug des St.-Agnes-Hospitals nach Stenern im Jahre 1985 wurde 1991/92 am Schonenberg das neue Diepenbrock-Altenheim errichtet.  Am 19. Oktober 1993 erfolgte die Wiedereröffnung der St.- Agnes-Kapelle durch Weihbischof Demming. Sie wird seitdem  insbesondere von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Altenheims genutzt.

Baubeschreibung
Die 1489 eingeweihte St.-Agnes-Kapelle ist ein typisches Zeugnis der Spätgotik. Mit drei Jochen und einem Chor aus fünf Seiten eines Achtecks misst der einschiffige Backsteinbau im Innern 22,3 x 8,5 Meter.  Den Haupteingang an der Westseite schmückt ein Renaissance-Portal aus der Zeit um 1700. Zwei der mehrfach abgetreppten Strebepfeiler sind an der südlichen Chorwand in die Mauern einer kleinen Sakristei mit gotischem Nordfenster integriert.  Der 1897 mit schönen Jugendstil-Fliesen erneuerte Fußboden in der Sakristei wurde 1992 wiederentdeckt und schmückt seit 1993 den Fußboden der jetzigen Sakramentskapelle.

Im Zuge einer völligen Renovierung 1992/93 durch das Architekturbüro Eimers, Bocholt wurde am nördlichen Choransatz eine mit dem Diepenbrockheim verbundene neue Sakristei angebaut. Auf der ebenfalls neu eingebrachten Empore im ersten Joch über dem Hauptportal befindet sich die 1970 gebaute 148-stimmige Orgel der Firma Breil, Dorsten. Die Spitzbogenfenster, ehemals mit Glasarbeiten der Bocholter Künstlerin Lucy Vollbrecht-Büschlepp ausgestattet, erhielten 1992/93 eine schlichte Bleiverglasung mit geometrischen Kompositionen (Entwurf: Ateliergemeinschaft Weigmann und Werner, Leverkusen; Ausführung: Fa. Derix, Kevelaer).  Das zentrale Ostfenster hinter dem Altar schmücken drei 1993 erworbene englische Glasfenster mit einer Kreuzigungsgruppe. Es handelt sich um neugotische Fenster, deren Stifter zwischen 1903 und 1905 starben.  Die 1902 freigelegte Deckenbemalung aus dem beginnenden 16. Jahrhundert wurde nach der Zerstörung 1945 nicht wieder ausgeführt. Seit der letzten Renovierung 1992/93 ziert farbenfrohe Ornamentmalerei nach Entwürfen des Künstlers Günter Daniel aus Geisenheim das Gewölbe.
Die St. -Agnes-Kapelle steht unter Denkmalschutz. Sie ist nach der St.-Georgs-Kirche  (Einweihung 1455) Bocholts zweitältestes aufstehendes Bauwerk.

Quellen:
Hans D. Oppel, Zur St-Agnes-Kapelle, in: Unser Bocholt, Jg. 49 (1998) Heft 1
Werner Sundermann, Baugeschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Bocholt auf dem Schonenberg während des 19. Jahrhunderts, in: Unser Bocholt, Jg. 52 (2001) Heft 2
 Bocholter Stadtlexikon, St.-Agnes-Kapelle (Baubeschreibung) von Lucia Graefenstein, 2007
Text: Reinhold Ihorst

St.-Agnes-Kapelle, Schoneberg, Bocholt - Foto: Stefan Resing
Foto: Stefan Resing