Sonntagsgruß
Liebe Leserinnen und Leser,das letzte Mal, dass ich über irgendetwas gestolpert bin, geschah vor einigen Wochen auf dem Friedhof. Beim Rückweg vom Grab zur Trauerhalle habe ich eine Kante übersehen. Glücklicherweise habe ich mein Gleichgewicht nicht verloren und konnte einen Sturz vermeiden. Wann sind Sie das letzte Mal gestolpert und über was?
"Über etwas stolpern" muss ja nicht nur eine Körperbewegung bedeuten – ich kann auch über einen Gedanken, einen Text oder eine Äußerung stolpern.
In dieser Woche haben viele aus unserer Dienstgemeinschaft an einer öffentlichen Führung zu den "Stolpersteinen" teilgenommen, die an das Schicksal vor allem jüdischer Personen in Bocholt während der Nazi-Diktatur erinnern. Seit 1992 gibt es diese Form der Erinnerung an menschliche Schicksale von Verfolgten und Ermordeten zwischen 1933 und 1945 in vielen deutschen Städten und auch im Ausland. Josef Niebur, der vor einigen Wochen verstorben ist, hat in besonderer Weise zum Schicksal der Juden in Bocholt geforscht und geschrieben. Auch an ihn wurde während der Führung erinnert.
Geschichte bzw. Vergangenheit wird manchmal verklärt oder auch verdrängt. Immer mal wieder und auch in unseren Tagen. Am besten lernt man aus der Vergangenheit und der Geschichte für die Gegenwart und Zukunft. Auch wenn man vielleicht mal ins Stolpern gerät.
Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht Ihnen.
Klaus Brücks, Pastoralreferent

