Landesjugendorchester NRW in der Liebfrauenkirche

Mehr als 470 begeisterte Konzertbesucher verfolgten in der vollbesetzten Liebfrauenkirche das Benefizkonzert des Rotary Clubs Bocholt. Der Club hatte das Landesjugendorchester NRW eingeladen, das mit 80 jungen Musikern zwischen 14 und 21 Jahren unter Chefdirigent Sebastian Tewinkel nach Bocholt gereist war. Mit diesem Premierenkonzert in unserer Pfarrei wurde die diesjährige Herbstsaison des Orchesters eröffnet.
Die Begeisterung des Publikums war einerseits auf das großartige musikalische Können, gepaart mit ungebremster Spielfreude, zurückzuführen, andererseits auf die wunderschönen und sehr bekannten Stücke, darunter "Die Moldau" von Smetana und die Sinfonie "Aus der Neuen Welt" von Dvořák.
Das Konzertprogramm stand unter dem Titel "Heimweh". Aufgeführt wurden drei Werke, die auf sehr unterschiedliche Weise von Heimat erzählen – von Landschaft, Erinnerung, Sprache und Sehnsucht: Heimweh eben.
Den Anfang machte Smetanas "Die Moldau". Zwei kleine Quellen wurden durch fließende Figuren der Flöten und Klarinetten angedeutet. Daraus entwickelte sich
das breite, berühmte Flussthema der Streicher. Die jungen Musiker ließen die Konzertbesucher diesen Fluss virtuos musikalisch begleiten.
Mit großer klanglicher Fantasie und spürbarer Energie wurden Wasser, Tanz, Nacht und Gefahr packend vermittelt und fast körperlich erfahrbar gemacht.
Danach folgte mit Luciano Berios "Folk Songs" ein ganz anderer Blick auf Heimat. Berio greift Lieder aus verschiedenen Ländern und Sprachen auf und schafft für jedes Lied eine eigene Klangwelt: mal kammermusikalisch zart, mal rhythmisch scharf, mal fast archaisch. So erzählen diese Lieder von Liebe, Arbeit, Abschied, Humor und Schmerz. Die erst 27-jährige Solistin Anna Amanda Stolere aus Riga absolviert derzeit ein Masterstudium im Fach klassischer Gesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und gab bereits im Alter von 14 Jahren ihr Debüt an der Lettischen Nationaloper in Benjamin Brittens Oper The Little Sweep. Mit ihrer klaren, zugleich weichen Stimme – perfekt begleitet vom Orchester – fesselte sie das Publikum.
Nach der Pause wurde der letzte Gang des "musikalischen Festschmauses" aufgetischt: Antonín Dvořáks 9. Sinfonie "Aus der Neuen Welt". Dvořáks Aufenthalt in Amerika, seine Faszination für neue Eindrücke und zugleich sein Heimweh nach Böhmen sind in dieser packenden Sinfonie verarbeitet, die mit dem Wechsel zwischen ruhigen und imposanten Passagen für Hochspannung sorgt. Bei diesem wunderbaren Stück kam das Orchester eindrucksvoll zur Geltung. Die üppig vertretene Gruppe der Blechbläser war im Dauereinsatz. Nach der packenden Eröffnung im ersten Satz und dem dann sehr gefühlvoll vorgetragenen Largo mit einer der wohl bekanntesten Melodien der klassischen Musik wurde mit großem Spannungsbogen auf das Finale hingearbeitet, das in einem orkanartigen Getöse endete. Eine Meisterleistung der jungen Musiker. Hier zeigte sich noch einmal die ganze Kraft dieses Orchesters: Präzision, Leidenschaft und jugendliche Spielfreude verbanden sich zu einem mitreißenden Schluss. Nach einem nicht enden wollendem stehendem Applaus und Bravo-Rufen wurde das begeisterte Publikum mit einem "Evensong" des Orchesters als Zugabe belohnt. Ein wunderschöner, hervorragend vorgetragener Gesang des gesamten Orchesters, der vielen unter die Haut ging. Dabei zeigte sich die außergewöhnliche Musikalität der jungen Menschen, die eben nicht nur ihre Instrumente meisterhaft beherrschen. Am Ende gab es glückliche Gesichter auf allen Seiten: beim Publikum, bei den Musikern, bei den Gastgebern, die sich über die Einnahmen zugunsten sozialer Projekte freuen dürfen, und nicht zuletzt bei den vielen helfenden Händen – auch aus unserer Gemeinde –, die dieses Ereignis überhaupt erst möglich gemacht haben. Es war ein großartiges Kulturereignis für Bocholt.

Text: Werner Borgers
fotos: georg borgers
Veröffentlicht: 27.07.2026


 


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