Impuls am Abend - Was ich glaube

In der vergangenen Woche ist der große Theologe Hans Küng verstorben. In allen Medien gab es zahlreiche Nachrufe. Seine Bücher habe ich während meines Theologiestudiums kennen gelernt. Küngs Leben, Glauben und theologisches Schaffen beeindrucken mich sehr. Vor einigen Jahren habe ich sein Buch „Was ich glaube“ gelesen. In diesem Buch schreibt Hans Küng sehr persönlich von seinem Glauben. Für mich damals wie heute die Summe all seiner theologischen Werke mit ganz persönlicher Glaubens-Färbung. Es geht ihm um Hilfe und Orientierung für den Menschen mit Blick auf sein Leben, Menschsein und Christsein. Auffallend für mich die Worte, die Hans Küng dabei wählt: Lebensvertrauen, Lebensfreude, Lebensweg, Lebenssinn, Lebensgrund, Lebensmacht, Lebensmodell, Lebensleid, Lebenskunst und Lebensvision.

Küng ist davon überzeugt gewesen, dass seine Vision von Weltethos, Religionsfrieden, Einheit der Kirche sich erfüllen wird, wenn auch nicht zu seinen Lebzeiten. „Ich werde so wenig wie Martin Luther King die Erfüllung meiner Vision erleben. Aber ich werde sie auch nicht mit ins Grab nehmen. Sie wird weitergetragen werden von der Sehnsucht ganzer Generationen nach einer friedlicheren, gerechteren, humaneren Welt. Daran glaube ich, darauf hoffe ich.“

Am Ende seines Gedankengangs in dem Buch richtet Hans Küng den Blick auf sein Lebensende. Er schreibt: „Und was geschieht mit mir? Ich hoffe darauf, dass es auch für mich einmal eine Auflösung aller Widersprüche und ein Dasein in Harmonie, Frieden und Glück geben und mir an meinem Ende das zuteil wird, was in der ganzen christlichen Tradition die Vision schlechthin, die ‚Visio beatifica‘, die ‚seligmachende Schau‘ genannt wird. […] Darin erfüllt sich für mich, so hoffe ich, was ich glaube.“

Unser Leben ist kurz, unser Leben ist lang.
Und voll Staunen stehe ich vor einem Leben,
das seine unerwarteten Wendungen und seine Geradlinigkeit hatte;
ein Leben, von dem ich heute sagen darf: So war es gut.
Ich danke dir, Unfasslicher, Allumfassender und Allesdurchwaltender,
Urgrund, Urhalt und Ursinn unseres Seins, den wir Gott nennen.
Ich danke dir für dieses Leben mit allem Unerklärlichen und Seltsamen.
Ich danke dir für all die Erfahrungen, die hellen und die dunklen.
Ich danke dir, mein Gott, denn du bist freundlich und deine Güte währet ewig.“

(Gebet von Hans Küng; zitiert nach: Christ in der Gegenwart, 15/2021)

Was ich glaube. – Ein beeindruckendes Glaubenszeugnis eines Menschen und Weggefährten unserer Zeit. – Und indirekt führt Hans Küng jede und jeden zu der Frage: Was glaube ich?


Rafael van Straelen
Veröffentlicht: 12.04.2021




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