Impuls am Abend - Monde voll Enttäuschung

Im Gottesdienst zu diesem Sonntag kommen in der ersten Lesung Wort von Hiob zu Gehör. Jener Mensch, der - trotz allen großen Leids, das ihm widerfährt - sich von seinem Glauben an Gott nicht abbringen lässt, obwohl selbst seine Freunde ihm einflüstern, wegen des Leidens den Glauben an Gott aufzugeben. Hiob stellt jedoch auch die Frage nach dem „Warum?“ – Warum, Gott, trifft mich dieses Los, warum dieses Leid? – Die Antwort bleibt damals wie heute aus.
 
Hier nun Hiobs Worte, die an diesem Sonntag im Gottesdienst zu Gehör kamen (Hiob 7, 1-7):
„Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf seinen Lohn wartet. So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu. Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehen? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert. […] Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, sie gehen zu Ende, ohne Hoffnung. Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist! Nie mehr schaut mein Auge Glück.“
 
Die Worte Hiobs mögen die Stimmung drücken; ja, dem Menschen gänzlich die Hoffnung auf bessere Zeiten nehmen. Beim Lesen dieser Zeilen könnte man depressiv werden. Ich vermute, dass in Hiobs Worten sich gerade jetzt aber wohl viele Menschen wiederfinden. Einige Anklänge:
„Das Leben des Menschen ist Kriegsdienst…“ - Wie viele Menschen leben im (Bürger)Krieg? Wie viele Frauen und Männer stehen weltweit als Soldatinnen und Soldaten im kriegerischen Kampf? Wie viele Kindersoldaten gibt es!
„Tagelöhner, die auf ihren Lohn warten…“ - Wie viele Angestellte und Arbeiter sind in Kurzarbeit? Wie viele Einzelhändler, Geschäftsleute, Kulturschaffende und Gastronomie-besitzer warten auf ihre Corona-Hilfen?
„Monde voll Enttäuschung…“ – Suggerierten die Äußerungen der Regierenden und Politiker vor Weihnachten und zum Jahreswechsel eine baldige Überwindung der Corona-Pandemie, schürten sie Erwartungen und Hoffnungen mit dem „Licht am Ende des Tunnels“, so zeigt sich nun durch das Fehlen von Impfstoffen und Impfterminen, dass der Tunnel über Monate länger wird, das Licht auf sich warten lässt… Monde voll Enttäuschung.
Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehen? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast...“ – Wer kennt sie nicht, die Nächte, in denen man kaum in den Schlaf findet, sich unruhig im Bett hin und her wälzt, weil einen innerlich etwas umtreibt?
„Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage dahin…“ - Die Zeit rast, das Leben ist begrenzt. Das Leben nur ein Hauch…
 
Ja, Hiob, möchte ich sagen, du hast recht mit deinem Blick auf die menschliche Existenz, auf das Dasein des Menschen in dieser Welt. Aber nur zum Teil, denn: Das ist nicht alles!
Es gibt Krieg. – Und es ist uns Frieden zugesagt; wie wir selbst bereit sind Frieden zu stiften und für Frieden einzutreten. „Meinen Frieden gebe ich euch“ sagt Jesus Christus.
Man erlebt Monde voll Enttäuschung. – Aber es gibt auch die Momente des unverhofften Glücks und der Freude.
Manchmal erlebt der Mensch schlaflose, unruhige Nächte. – Aber es gibt auch jene, in denen ich tief und fest schlafen kann und am nächsten Morgen erholt aufwache. „In Frieden leg ich mich nieder und schlafe ein“ heißt es im Nachtgebet der Kirche.
Meine Lebenszeit eilt dahin, jeden Tag kommt mein Leben dem Tod ein Stückchen näher. –
Aber auch zugleich ist in allem meines Lebens Gottes Ewigkeit hineingelegt. Meine Zeit ist von Gottes Ewigkeit umfangen (gehalten). Ich gehe dem Leben für immer entgegen, ohne dieses jetzige Leben zu missachten oder gar klein zu reden.
 
„Nie mehr schaut mein Auge Glück.“ – Wie es mit Hiob weiter ging? Seine Augen schauten neues Glück: Gott wendete das Geschick Hiobs, er mehrte Hiobs Besitz auf das Doppelte, Hiob fand neues Familienglück, Gott segnete Hiobs Lebenszeit. Hochbetagt starb Hiob, satt an Lebenstagen. – So die biblische Erzählung.
 
Hiob, ein Beispiel für Durchhalten und bestehen einer Krisenzeit.
Ich wünsche Ihnen nach Monden voll Enttäuschung ein Morgenrot voller Hoffnung!
 
Rafael van Straelen
 
Veröffentlicht: 04.02.2021




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