Impuls am Abend - Festhalten

„Was nicht festgehalten wird, ist nichts. Was festgehalten wird, ist tot“.(P. Valery , Windstriche S. 80, 1977)
 
Das ist eine verstörende Aussage. Damit etwas nicht ins Nichts verschwindet, soll ich es festhalten. Wenn ich es aber festhalte, ist es tot?
 
Diese Sätze sind auf biblische Texte und kirchliche Aussagen bezogen. Es ist wichtig, dass Dogmen, Gebote und Begriffe festgehalten und dadurch bewahrt werden. Sie sind aber tot, wenn sie nicht immer auch wieder losgelassen und neu formuliert werden. Das gilt für alle religiöse Gewohnheiten und Bräuche.
 
Mir ist es mit dem kirchlichen Stundengebet so gegangen. Ich hatte gemerkt, dass das Gebet viermal am Tag und mit festgelegten Psalmen und Gebeten nicht mehr lebendig war. Die Texte waren mir vertraut, einige konnte ich auswendig, aber sie berührten mich nicht mehr. Ich wollte aber am Gebet der Psalmen festhalten. Ich habe dann andere Übersetzungen und auch moderne  Psalmengebete genommen. Meistens bin ich dann bei einem Gebet verweilt. Das war fordernder – aber auch lebendiger.
 
Glaubensgemeinschaften sind immer herausgefordert, die Spannung zwischen Bewahren und Erneuern auszuhalten und Lösungen zu suchen. Was wollen wir festhalten und wie fest wollen wir es halten?
 
Wir sind besonders in der Zeit der Pandemie aufgerufen, nüchtern zu fragen, was wir festhalten und was wir aufgegeben können und wie wir das unter den jetzigen Bedingungen lebendig erhalten können.
 
Aktuell fragen wir z. B.: Wie kann es mit den Weihnachtsgottesdiensten gehen? Wie können die Sternsinger ihren wichtigen Dienst tun? Geht das überhaupt? Welche Notwendigkeit und Möglichkeit gibt es für die Erstkommunion- und Firmvorbereitung? Wie geht es mit den Gruppen und Chören weiter? Wie kann Gemeinschaft und körperliche Begegnung ermöglicht werden?
 
Wir fragen auch, was von den neu entdeckten Möglichkeiten ausgebaut werden kann.
 
Die Ermunterung des Apostel Paulus gilt damals und heute: “Prüft alles und behaltet das Gute“ (1 Thess. 5,21).

Ich wünsche Ihnen viel Gutes,
 
Ihr Hans Döink
 
Veröffentlicht: 09.10.2020




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