Impuls am Abend - Keks schafft innige Vertrautheit

Der Liedermacher Wolf Biermann wurde am 16.11.1936 in Hamburg geboren und wuchs dort auf. Sein Vater war überzeugter Kommunist und saß sechs Jahre im Zuchthaus. Dann wurde er in Ausschwitz umgebracht. Wolf kannte seinen Vater kaum. Aber die Mutter machte ihn für das Kind gleichsam zu einer lebendigen Wirklichkeit. Biermann erzählt:

„Jeden Morgen wachte ich mit meinem Vater auf eine Weise auf, die sich kein Schriftsteller ausdenken kann. Meine Mutter, Emma Biermann, konnte das. Wenn ich morgens um sechs aufstand, meine Mutter musste um sieben in der Arbeit sein, lief ich aus meinem Zimmerchen ins Treppenhaus. Dort stand mein Leiterwägelchen und da lag jeden Morgen von meinem Vater ein Bonbon, ein Keks, ein Stück Zucker. Dann zog ich den Wagen mit dem Geschenk meines Vaters rein, und meine Mutter erzählte mir beim Frühstück, auf welche abenteuerliche Weise dieser Keks aus dem Gefängnis zu mir gekommen war. Dann habe ich den Keks meines Vaters gegessen, im Grunde genauso wie die Katholiken den Leib Jesu mit der Hostie. So war mir mein Vater inniger vertraut als anderen Kindern ihre Väter, die bald da waren, bald nicht.“
                                                                                      (zitiert b. Klaus Müller, Gottes ABC – A S. 255)

Ist das nicht wunderbar?
Der Keks von seinem Vater – mit der Erzählung der Mutter – bringt dem Jungen den Vater ganz nah. Wolf Biermann vergleicht das mit der Hostie der Katholiken.
Ich auch.
Sie auch?
Haben Sie auch „Kekse“?

Ihr Hans Döink
Veröffentlicht: 31.07.2020




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