Sonntagsgruß

„Liebe Gemeinde.
Wenn wir an diesem Sonntag das Erntedank-Fest begehen, geht es dann eigentlich nur um schöne Bilder, wie die Gaben am Altar aufgebaut sind und welche herbstlichen Farben dabei schon Einzug gehalten haben? Oder geht es nur darum, dass die Kinder Dankbarkeit erlernen?
Ein Zeitungsartikel über Sterbehilfe hat mich nachdenklich gemacht, denn in ihm wird beschrieben, wie sehr heutige Debatten über das „Sterben“ grundlegend geprägt sind vom Gedanken der Autonomie: das heißt, dass der Mensch frei sein kann und will - und nicht von Zwängen und Normen anderer bestimmt werden kann. Und zugleich erfährt sich der Mensch aber immer auch als soziales Wesen, der mit anderen verbunden und auf sie angewiesen ist. Und von dieser Angewiesenheit gerade auch Gebrauch machen darf, wenn die eigenen Kräfte (zu) schwach sind.
Erntedank feiern bedeutet darum vielleicht auch: Ja-sagen zur eigenen Begrenztheit und zugleich darüber staunen, dass andere Menschen und auch Gott mich am Leben erhalten (in guten und schlechten Tagen); sich nicht selber leben („nach mir die Sintflut“), sondern mit Blick auf die Menschen, mit denen ich verbunden bin – und als Teil der Schöpfung Gottes sind das mehr als ich mit meinem Auge fassen kann.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein Erntedank-Fest, das sich nicht in Äußerlichkeiten erschöpft, sondern ihnen Mut zum Leben und zum Miteinander in allen Lebenslagen schenkt!
Pastor Ulrich Kroppmann
 
Veröffentlicht: 04.10.2019