Sonntagsgruß

Liebe Gemeinde! Heute eine kleine, von mir selbst erlebte Geschichte, die für mich zum Karneval, zum Aschermittwoch und zum Osterfest gleichzeitig passt, auch wenn ich weiß,
dass einige von Ihnen diese bereits kennen: Als kleiner Junge war die Bauerschaft, aus der ich stamme, mein Lebensumfeld, mein kleines Paradies. Rosenmontag wurde Wurst aufgeholt, aber nicht nur diese, und am Fastnachtsdienstag alles Gespendete, fest wie flüssig, bei einem der Nachbarn verputzt: Wurst, Schinken, Eier, Bratkartoffeln, reichlich Schnaps
und etwas Bier… Dabei wurden, von der Ziehharmonika begleitet, Karnevalslieder
gesungen, Witze erzählt und man ließ es noch einmal vor der Fastenzeit so richtig krachen; Punkt Mitternacht war alles vorbei, wir Kinder waren natürlich schon vorher längst im Bett.
Am folgenden Aschermittwochmorgen wurde in der Frühmesse an der wir Schulkinder täglich teilzunehmen hatten, das Aschekreuz ausgeteilt. Onkel Ohe, eigentlich Josef mit Namen, der
bekannt war für seinen Fleiß, seine Frömmigkeit und sein Trinkvermögen, ein unverheirateter Onkel auf einem unserer Bauernhöfe, schritt wie alle anderen zu Beginn der Hl. Messe würdig mit gefalteten Händen durch die Kirche nach vorne zum Aschenkreuz, kniete an der damals vorhandenen Kommunionbank nieder und öffnete zu unserer Überraschung seinen Mund wohl in der Erwartung der Hl. Kommunion. Wir, die I-Männekes in der ersten Bank, konnten
dies alles genau beobachten. Unser Pastor stutzte, zeigte ein ganz feines Lächeln und streute ihm einfach etwas Asche auch auf die Zunge. Onkel Ohe bemerkte nichts, schritt ebenso
würdig auf seinen Platz auf dem Orgelboden zurück, er hatte dort einen eigenen Stuhl nebst Kissen, auf dem sonst niemand sitzen durfte, und für ihn war und blieb die Welt so in Ordnung. Wenige Jahre später war das Fastnacht feiern dieser Art verschwunden und
vielleicht auch die Ernsthaftigkeit einer Fastenzeit, die bewusst den ganzen Menschen, Leib und Seele, auf Ostern vorbereiten wollte und sollte. Aber jeden Aschermittwoch, wenn ich
mich selber mit der Asche bezeichnen lasse, lächelt es in mir dank Onkel Ohe bereits österlich.
Einen gesegneten Sonntag und eine gute Zeit wünscht Ihnen
Pastor Gerhard Wietholt
Veröffentlicht: 24.02.2017