Sonntagsgruß

Liebe Leserin, lieber Leser,

jedes Jahr aufs Neue am 19. April wird Warschau gelb. So wird es auch in diesem Jahr sein. Tausende von Menschen werden kleine gelbe Papierblumen an ihrer Kleidung tragen in Erinnerung an den Ausbruch des Warschauer Ghettoaufstandes am 19. April 1943. Es war der größte bewaffnete jüdische Widerstand während des zweiten Weltkrieges gegen die Deutschen und der erste Aufstand im besetzten Europa. Das POLIN-Museum für die Geschichte der polnischen Juden hat es sich 2013, 70 Jahre nach dem Aufstand, zur Aufgabe gemacht, an die Ereignisse sowie an die Helden des Aufstandes zu erinnern. Freiwillige verteilen gelbe Narzissen aus Papier an Bürger und Bürgerinnen in Warschau und in viele andere Länder. Mehr als zwei Millionen gelbe Blumen wurden seit 2013 weltweit verschickt. Aber warum ausgerechnet gelbe Narzissen? Dies geht zurück auf folgende Begebenheit: Marek Edelman, letzter überlebender Anführer der Jüdischen Kampforganisation, bekam an jedem Jahrestag des Aufstandes von einem anonymen Absender einen Strauß gelber Blumen, meistens Narzissen, zugeschickt. Die Blumen legte er dann jedes Mal am Denkmal für die Ghettohelden nieder. Und zusammen mit Marek Edelman kamen immer mehr Menschen, die diese Geste des Gedenkens übernahmen und zum Jahrestag des Ghettoaufstandes gelbe Blumen am Mahnmal niederlegten. Den heutigen Organisatoren geht es um ein gemeinsames Erinnern und Gedenken und darum, dass die ganze Maschinerie, die zum Holocaust geführt hat, einfach nie wieder passieren darf. Durch diese Geschichte haben Osterglocken für mich an Bedeutung gewonnen. Und vielleicht blühen im kommenden Jahr rund um den 19. April auch an unseren Revers gelbe Papierblumen. Shalom!

Ihre Jutta Rademacher
Veröffentlicht: 17.04.2026



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