Sonntagsgruß
Liebe Leserinnen und Leser,seit fast vier Jahren Krieg in der und gegen die Ukraine, ein Regime im Iran, das gewaltsam gegen Demonstranten vorgeht und aus reinem Machterhalt tötet, ein Präsident der USA, der gefühlt stündlich Pläne zu Besetzungen und Strafzöllen äußert - wünschen Sie sich vielleicht auch da und dort, dass eine Macht eingreift und "für Ordnung” oder Gerechtigkeit sorgt?
Es gibt Situationen, in denen Menschen, die an Gott glauben, wünschen, dass er Krisen meistert oder das Chaos beseitigt. Solange Gott nicht als Sündenbock für von Menschen begangenes Unrecht herhalten muss, kann ich solche Wünsche sogar verstehen.
Am 25. Januar gibt es in unserer Kirche ein "Fest” mit einem etwas seltsamen Titel: "Pauli Bekehrung”. (In diesem Jahr verdrängt der Sonntag liturgisch dieses Fest.)
Der junge Saulus von Tarsus ging fanatisch gegen die ersten Christen vor. Heute würde er vielleicht deswegen als Terrorist bezeichnet werden. Und dann kommt das "Damaskus-Erlebnis” und die sprichwörtliche Wandlung "vom Saulus zum Paulus”. (vgl. Apg 9, 1-7)
Und es ist Jesus, der diese Wandlung veranlasst. Seine Frage "Warum verfolgst du mich?” haut den Saulus im wahrsten Sinne des Wortes um.
Aus dem Verfolger wird ein Verkünder des Evangeliums, der selbst des Öfteren verfolgt und in Rom wegen seines Glaubens ermordet wird. Heute gilt Paulus als "Völkerapostel” und seine Briefe sind weitaus älter als die Evangelien.
In ihnen erklärt er den jungen christlichen Gemeinden die Inhalte der Botschaft Jesu. Manches davon ist heute eher fragwürdig, aber vieles zeitlos gültig.
Zudem wird er als Patron unseres Bistums verehrt und deshalb gibt es auch in Münster den Paulus-Dom. Also kann man die "Bekehrung” dieses Mannes eigentlich auch würdigen, finde ich.
Mir fallen spontan jede Menge Menschen – oft in führenden Positionen – ein, bei denen ich mir eine solche Wandlung wünsche.
Aber vielleicht gibt es auch Menschen, die sich das von mir wünschen?
Mit oder ohne ein Eingreifen von "oben”?
Wobei ich immer noch glaube, dass Jesus durch Menschen, für die seine Botschaft auch heute noch "umwerfend" ist und die diese leben, wirkt.
Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen
Ihr Klaus Brücks, Pastoralreferent

