Das Immobilienkonzept der Pfarrei Liebfrauen Bocholt

Am Samstag/Sonntag, 10./11. September 2022, wurde am Ende der Gottesdienste den Gemeindemitgliedern das Immobilienkonzept für unsere Pfarrei Liebfrauen vorgestellt. Ein Immobilienkonzept beschreibt, wie die Kirchengemeinde auf Zukunft hin mit ihren Gebäuden, vor allem mit den Kirchen, Pfarrhäusern und Pfarrheimen, umgehen wird. * Dieser Text ist hier als Download verfügbar.

Unser kirchliches Leben verändert sich stark: Die Zahl der Gottesdienstmitfeiernden nimmt weiterhin ab. Ebenso und in den nächsten Monaten noch stärker die Zahl der Gemeindemitglieder. Zurzeit gehören 15.500 Personen zu unserer Pfarrei. Im Jahr 2030 – so die Schätzungen – werden es 12.800 Gemeindemitglieder sein; im Jahr 2040 werden es 10.600 sein. Darin nicht berücksichtigt ist die aktuell hohe Zahl an Kirchenaustritten. Diese werden den Prozess noch beschleunigen. Damit aufs engste verbunden ist die Abnahme an Finanzmitteln. Also wird uns in Zukunft deutlich weniger Geld für pastorale Arbeit, Personal und Gebäude zur Verfügung stehen.

Vor diesem Hintergrund hat das Bischöfliche Generalvikariat es jeder Kirchengemeinde im Bistum Münster zur Aufgabe gegeben, ein Immobilienkonzept zu entwickeln, um die Pfarrei zukunftsfähig aufzustellen. Schon in unserem Zukunftsbild Liebfrauen, das wir im Oktober 2016 veröffentlicht haben, weisen wir darauf hin, dass uns bewusst ist, dass wir auf Dauer nicht alle Gebäude, Kirchen wie Pfarrheime, werden aufrechterhalten können: Von manchen werden wir uns verabschieden, andere werden eine andere Nutzung erhalten; und wieder andere Gebäude werden wir durch Renovierung besser nutzbar machen.

Seit März 2018 sind die Gremien Kirchenvorstand, Pfarreirat und Pastoralteam mit der Erstellung des Immobilienkonzeptes beschäftigt. Dazu haben sich die drei Gremien mehr als 12 Mal zu gemeinsamen Sitzungen und Klausurtagen getroffen. Begleitet wurden sie von kirchlichen Organisationsberatern, denen wir für ihre Unterstützung, Hilfe und Beratung sehr dankbar sind.
Eine Steuerungsgruppe aus Mitgliedern von Kirchenvorstand, Pfarreirat und Pastoralteam organisiert und steuert den Prozess seit Beginn, auch in der Zeit der Unterbrechung durch die Pandemie 2020.
So gab es verschiedene Arbeitsuntergruppen, die für bestimmte Themenbereiche Vorarbeiten geleistet haben. Im Prozessverlauf haben die Gremien sich einen Überblick verschafft über die Größe der Gebäude, die Unterhaltskosten, die Nutzung und Auslastung der Kirchen und Pfarrheime, sowie die anstehenden Investitionen (bei Sanierung oder Renovierung).
Während des Prozesses gab es auch Gespräche und Abstimmungen mit der Abteilung Kirchengemeinden im Bischöflichen Generalvikariat Münster, die unser Immobilienkonzept insgesamt für zukunftsfähig, gut und umsetzbar wertet.
Auf der Grundlage unseres Zukunftsbildes und Leitbildes wurde im Prozessverlauf eine Idee zur Pastoral in der Zukunft zu den jeweiligen Standorten entwickelt und geschaut, was wir zur Verwirklichung der Pastoral an Gebäuden und Orten wirklich benötigen und wie wir den Vorgaben des Bistums Rechnung tragen können.
An diesem Immobilienkonzept wurde – mit Unterbrechung durch die Corona-Pandemie – über vier Jahre gearbeitet.

Grundlage aller Überlegungen für die Erstellung des Immobilienkonzeptes sind für uns folgende Fakten und Überlegungen gewesen:
Die Zahl der Gemeindemitglieder ist stark rückläufig und die Finanzmittel werden deutlich weniger. Wie zu Beginn schon benannt. Darüber hinaus haben uns diese Kriterien geleitet:
1. Auch in Zukunft soll der Finanzhaushalt der Pfarrei ausgeglichen sein.
2. Demzufolge verfügen wir jetzt über zu viele Gebäude (Kirchen und Pfarrheime).
3. Darum haben wir uns von Grundflächen sowohl bei Kirchen wie auch bei Pfarrheimen zu trennen. Das gilt gerade für den städtischen Teil unseres Pfarrgebietes.
4. Die für die Pfarrei verantwortlichen Gremien sollen und wollen auch in Zukunft die Handelnden bleiben.

FAZIT:

Mit unserem Immobilienkonzept sehen wir gute Chancen auch auf Zukunft hin an verschiedenen Orten in unserer Pfarrei kirchliches Leben zu ermöglichen, den Glauben weiterzugeben, Menschen in Not nahe zu sein und sich als Gemeinschaft zu erleben. Auch wenn es zu harten Einschnitten kommen muss und wir uns von vertrauten Gebäuden verabschieden müssen. Weil wir aber auch in Zukunft eigenständig entscheiden und handlungsfähig bleiben wollen, sehen wir keine Alternative.


Das Immobilienkonzept wurde in einer Sitzung am 14. Juni 2022 von Kirchenvorstand, Pfarreirat und Pastoralteam in großer Einheitlichkeit beschlossen. Dabei haben wir uns bei allen Abwägungen und mit Blick auf die Konsequenzen die Entscheidung nicht leicht gemacht. Uns ist bewusst, dass die Aufgabe von Kirchen und Pfarrheimen ein schmerzlicher Verlust für alle in der Pfarrei ist, gerade für jene, die sich diesen Orten besonders verbunden fühlen. Dieser Verlust wird Trauer und Schmerz hervorrufen. Dies haben wir bereits erlebt durch die Aufgabe der Kirche St. Martin in Stenern im Jahr 2010 und der Herz-Jesu-Kirche im Jahr 2019, wo zurzeit das Edith-Stein-Hospiz gebaut wird.


Der Plan und Beschluss für die einzelnen Standorte:

Standort St. Helena in Barlo:
Der Gemeindeteil St. Helena liegt 8 km vom Stadtgebiet entfernt. Aufgrund der Entfernung soll die Kirche vor Ort erhalten bleiben. Wir reduzieren die Grundfläche von Pfarrheim und Kirchengebäude. Dazu soll die Kirche wieder in ihre ursprüngliche historische Größe umgebaut werden. Der jüngere Kirchenanbau soll umgebaut und anderweitig genutzt werden. Die weitere Nutzung des „neuen alten Kirchraums“, sowie des Pfarrheims soll mit den Menschen vor Ort überlegt und entwickelt werden. Dazu soll ein Planungsverfahren, zusammen mit dem Bistum Münster, erfolgen.




Standort St. Martin in Stenern:
Die 2010 aufgegebene Kirche St. Martin wurde für die Erweiterung der Kita St. Martin genutzt. Die darüber hinaus vorhandenen Gemeinderäume sollen renoviert werden, damit im wachsenden Stadtteil Stenern für die Menschen aller Generationen attraktive Begegnungsmöglichkeiten weiterhin vorhanden sind.




Standort Herz-Jesu:
Anstelle der Herz-Jesu-Kirche wird gerade das Edith-Stein-Hospiz errichtet. Das ehemalige Pfarrhaus wird aktuell für die Erweiterung der Kita Herz-Jesu und für Büroräume für die beiden Kita-Verbundleitungen geräumt und umgebaut. Das Pfarrheim Herz-Jesu soll zu einem „Quartierscampus“ werden, an dem zusammen mit dem Caritasverband und dessen Quartiersentwicklung ein karitatives Zentrum und zugleich ein Ort der Begegnung geschaffen wird. Dazu soll das Pfarrheim Herz-Jesu renoviert oder neu gebaut werden.




Standort Liebfrauen
Im Zusammenspiel von Kirche, Pfarrsaal und Pfarrgarten hat sich der Standort Liebfrauen in den letzten Jahren durch zahlreiche Veranstaltungen zu einem Ort von „Gebet & Kultur“ entwickelt. Für viele ist die Liebfrauenkirche ein Ort der Einkehr für das persönliche stille Gebet. Die Verbindung von Pfarrgarten und Pfarrsaal soll durch eine Erweiterung des Pfarrsaals mit bodentiefen Türen verbessert werden.




Standort Hl. Kreuz / St. Paul:
Diese beiden Orte sehen wir zusammen. Auch im städtischen Bereich müssen wir uns von Grundflächen trennen. Im östlichen Bereich unseres Pfarreigebietes möchten wir ein pastorales Zentrum beibehalten und stärken. Mit der Liebfrauenkirche haben wir einen großen Kirchenraum im städtischen Bereich.
Die St. Paul-Kirche, nahe zum Friedhof gelegen, ist ein kleinerer Kirchenraum.
Das Kreuzbergheim ist wegen seiner Architektur für Veranstaltungen nicht gut oder nur sehr schlecht geeignet, da eine Barrierefreiheit nicht gegeben ist. Das Gelände um die Hl. Kreuz-Kirche, Pfarrgarten wie Kirchplatz ist sehr pflege- und damit kostenintensiv, da es schon seit vielen Jahren für die Pflege kaum noch ehrenamtliches Engagement gibt.

Die Hl. Kreuz-Kirche wird als Gottesdienstort aufgegeben; ebenso wird das Kreuzbergheim als Pfarrheim aufgegeben.
Der ganze Bereich um die Hl. Kreuz-Kirche soll überplant, also städtebaulich neu entwickelt werden. Dazu soll in Zusammenarbeit mit dem Bistum Münster und der Stadt Bocholt ein Architektenwettbewerb stattfinden. Dieser soll im Spätherbst dieses Jahres beginnen. Nach Abschluss des Architektenwettbewerbs werden wir überlegen, zu wann wir von der Hl. Kreuz-Kirche Abschied nehmen und diese profanieren.
Die Kreuzigungsgruppe soll erhalten bleiben und wird an einem anderen Ort im Bereich der Hl. Kreuz-Kirche einen neuen Platz finden.
Zeitgleich soll der Standort St. Paul mit Kirche, Pfarrheim und Kirchplatz durch eine Renovierung des Pfarrheims ein attraktives pastorales Zentrum werden.




Diese Informationen werden sicherlich bei manchem Gemeindemitglied, gerade in St. Helena oder Hl. Kreuz Enttäuschung und Traurigkeit hervorrufen, da in diesen Gemeindeteilen die größten Veränderungen anstehen. Diese Traurigkeit teilen wir.
Die Entscheidung dazu ist den über vierzig Frauen und Männern aus Pfarreirat, Kirchenvorstand und Seelsorgeteam auch schwer gefallen. Das entscheidet man nicht einfach so!
In diesem Immobilienkonzept sehen wir aber auch die Chance, als kleiner werdende Kirchengemeinde gut aufgestellt zu sein, um in den nächsten Jahren an verschiedenen Orten in unserer Pfarrei gemeinschaftliches Christsein zu leben und zu stärken.

Uns Gremienmitgliedern, die wir dieses Konzept entschieden haben, ist es wichtig gewesen, das Immobilienkonzept zuerst innerhalb der Kirchengemeinde bekanntzugeben. Deshalb wurden am vergangenen Montag die Ortsausschüsse ausführlich informiert. An diesem Samstag/Sonntag sind die Gemeindemitglieder in den Gottesdiensten in Kenntnis gesetzt worden. Nach den Gottesdiensten standen Gremienmitglieder für Rückmeldungen und Gespräche zur Verfügung. Gespräche mit der Presse und der Stadt Bocholt werden folgen.


Kirchenvorstand, Pfarreirat und Pastoralteam der Pfarrei Liebfrauen Bocholt

Quelle: Grafiken von Tim-Online
Veröffentlicht: 11.09.2022



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