Impuls am Abend - Möglichkeit für alle

Im Abendgebet der Kirche (Vesper genannt) wird immer der Lobgesang Mariens, das Magnifikat, gebetet. In diesem Lobpreis dankt Maria dafür, dass Gott auf den Menschen schaut und sich seiner annimmt. Da heißt es:

„Meine Seele preist die Größe des Herrn
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

Gott gedenkt der Menschen, gerade derer, die entrechtet, erniedrigt, gedemütigt sind oder Mangel leiden. Ein Gedicht von Wolfgang Dietrich greift diesen Gedanken sehr schön auf.

„Ein runder Tisch, und auch die Vergessensten sitzen daran.
Ein Riesenrad, und auch die Untersten jubeln hoch oben.
Ein warmes Wasser, und auch die Lahmsten bewegen die Glieder.
Eine bunte Schule, und auch die Nachzügler üben den Geist.
Ein offener Chor, und auch die Sprachlosen finden zum Ton.
Ein Spiel unter Gleichen, und auch die Waisen gewinnen die Krone.“

(aus: Bibel heute, 227, S. 14, Heft 3/2021; Stuttgart)

Dieses Gedicht spiegelt die Hoffnung wider, dass nichts so bleiben muss wie es ist. Dinge, Verhältnisse können sich ändern - zum Guten hin! Die Untersten jubeln im Riesenrad hoch oben. Mehr Lebensmöglichkeiten für alle. Das Magnifikat Mariens erinnert mich Tag für Tag daran.


Ihr
Rafael van Straelen
Veröffentlicht: 01.09.2021


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